Periodikum 
Fünfziger-Fest-Zeitung : offizielles Organ der Fünfzigjährigen in Gießen
Entstehung
Gießen Im Digitalisierungsprozess No. 1 (25. Juni 1904), [1904?]
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Als Adam einſt in Morpheus Armen,

Genommen wurde ihm'ne Ripp;

Sonſt wahrlich iſt das zum Erbarmen,

Er ſchrie doch:Hurra, hurra, hipp!

Und das mit Recht; die Rippe, ſchau,

Verwandelt ward in eine Frau,

Der Schöpfung Mrone, wie bekannt

Allſeits geliebt in Stadt und Land;

Denn wer nicht liebt Wein, Weib und Geſang,

Der bleibt ein Marr ſein Leben lang!

Die fünfz'ger Adams, fünf an Sahl,

Dem Spruche hold, früh bei der Wahl:

Die nahmen zeitig ihr Weibchen, das nette,

Und machten's gerad' ſo wie unſer Freund Stte,

Sie ließen früh ſich nehmen die Ripp

Vom Johann bis zum ſchwarzen Hipp,

Und ſagen noch heute:Liebe Leut',

Jung gefreit hat noch niemals gereut.

Auch Heinrich Sichenauer franzöſiſchauf Taille

Den Eheſtand bezeichnet als reinſtes Verſailles,

Nicht minder Giegling, der Expedition Hüter

Den Rinderſegen zählt zu dem höchſten der Güter;

Und immer fröhlich, niemals krank,

Stimmt dieſem bei der rote Frank.

Ehret die Frauen, ſo ſagt mit Schiller

Unſer Altersgenoſſe Herr Emil Müller,

Vater von mehr als einem Sohn,

Schon ſeit langen Jahren genannt die Kanon.

Doch wär' es wahrlich gefehlet, wenn

Wir vergäßen Karl Kleinhenn,

Der immer ſich kleidet fein und aparte,

Und treu hält zur Garde und ihrer Standarte.

Dagegen die Firma Böttcher und Schmidt

Denkt wohl bedauernd: Wir können nicht mit

Solch' Konkurrenz beſtehen und ſiegen,

Bevor wir nicht wenigſtens auch eine kriegen;

Darauf wir noch hoffen, wirken und weben,

SEinſeitig iſt doch das Junggeſell'leben.

Drum tröſten wir immer ſie frank und frei:

Spät blüht auch manchmal des Lebens Mai!

Klagelied eines Fünfzigers aus Karlsbad.

Uann auch nach der MelodiehHipp, hipp, hurrah! geſungen werden.

*

Mein Mage fluchtGewitterkeil Was is dann nortz geſcheh,

Hat dann mei Doktor ſo groß' Eil, Daß ich kabutt ſoll gehd

Des morgens frieh um halwer ſechs Do hot der'ſch ſchont geſchellt

Da batt' mich gar nix mei Gekräks Die Fieß' vor'ſch Meſt er ſtellt.

Ei krieh ich etzt mein RKaffee ſchonn, Denk ich, is der verrickt d

Kann der nett woarte bis die Sonn' Erei dorch's Fenſter blickt d

Kaffeed Oho, er peifft mer was, Er zieht ſich hortig an,

Mächt ſich die Noſeſpitz nortz naß Un nix wie fott haaßt's dann.

Etzt lääft er alsfott her und hin

O wehd was is dann das d

Hat dann eſo was aach en Sinn d

Er ſchütt' mich puddilnaß.

Drei Dippcher fad un warm die Brieh Krieh ich ennin gepumpt

Da wird mer'ſch ach ich waas net wie Verſaawert und verlumpt.

Ach wann ich doch derham ſchont wär Un baal was Feſtes kräg,

Der awwer lääft die Ureuz un Quer Als uf demſelbe Weg.

E Stunn noch lääft er um die Wett' Erſcht dann gitt's haam, o jeh!

Maa Aier un kaan Schinke net

NortzKüpfel mit Kaffee.

Hernachent wird ins Bad gemacht Was muß mer doa baſſiern d

Se knäule, daß die Schwart mer kracht, Das nenne ſeMaſſiern.

De Mittagd Ach geh mer doch fott Von Supp' un Sohs ka Spur. Gemies, Salat, Mompott, Kompott Mer maant, ich wär dem Spohr!

Kalbfleiſch, Gemies, was batt mich deß, Katoffeld ka ze ſeh,

Könnt doa en rächter Owerheß

Sei Lebdesdoag beſteh d

Geſpannt bin ich, wie's weiter geht Doas Lewe förchterlich,

Wer ſchließlich uf ſei'm Kopp beſteht, Mein Dokter odder ich d

ebwskAdsch KKenl bkAAnsh FKenhbe

Der Fünßziger Bimbächer

ſtimmt beim Anblick des Philoſophenwaldes am 27. Juni das Lied Wer hat dich du ſchöner Wald an.

Vor fünfzig Jahren.

Im Gießener Anzeigeblatt No. 50 vom Jahre 1854(ausgegeben am 24. Juni) ſind zum Verkauf angeboten: Uirſchkuchen von A. Noll im Stern, Rernſeife bei J. G. Appel, altes Bauholz im Gaſthaus zum hirſch, feiner Melis und Raffinad bei Balth. Spruck, Korn⸗ ſtroh in der Exped. d. Bl., ein Haufen Miſt Lit. C. 153 auf dem Seltersweg. Lagerbier wird verzapft von Th. Roloff jeden Sonntag im ſog. Tempel im Philoſophenwald.

Vorausſichtliche Witterung für Gießen und nächſte Umgebung

am 25. Juni: Abends zeitweiſe heiter, das Barometer ſteigt, ein Maximum lagert über Steins Garten;

am 26. Juni: Morgens benebelt mit heftigen Erup⸗ tionen. Das Barometer iſt ſtark gefallen, ein Minimum lagert über der Stadt. Am Mittag und Rachmittag wieder heiter;

am 27. Juni: Hortgeſetzte heiterkeit; nachts Gewitter⸗ entladungen und ſtarke NRiederſchläge nicht ausgeſchloſſen.

Feſt⸗Programm.

Samstag den 25. Juni 1904: präcis 8 Uhr Feſteſſen im Weuen Saalbau.

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G Eß⸗ Programm:

Conſommé Julienne& Rheinſalm, Sauce hollandaiſe und neue Kartoffel Malbskeule, auf bürgerliche Art garniert Junge Hahnen, Salat und Kompott& Fürſt⸗Pückler⸗Eis

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Sonntag den 26. Juni 1904: Frühſchoppen von 1I Uhr an im NMeuen Saalbau. Um 12 Uhr findet die photographiſche Aufnahme ſtatt. Machmittags 3 ½ Uhr Ausflug nach dem Schiffenberg. montag den 27. Juni 1904ö: von 3 ½ Uhr ab Familienfeſt im Philoſophenwald. Die Muſik wird ausgeführt von der Kapelle des Inf.⸗Regts. Kaiſer Wilhelm (2. Gr. Heſſ.) No. 116.

Cheater⸗nachricht.

Zur Feier des Tages wird heute abend Wolfram von Eſchenbach im Tannhäuſer von unſerem Wagner die allbekannte ſchöne Arie:

O du mein holder Abendſtern mitO du mein holder Levi Stern beginnen. Die Direktion.

Gießen, den 25. Juni 1904.

Mehrere bei dem Feſteſſen der Fünfziger durchgebogene

Tiſche ſind billig zu verkaufen. Steins Garten. An den verein gegen den Mißbrauch

geiſtiger Getränke! Zeigen hiermit ergebenſt an, Daß Ihr Zweck uns nicht einleuchten kann, Denn Jedem bekömmlich, geſund und lecker Sind, maßvoll genoſſen, die Schnäpschen bei hecker.