Was dies Jahr ſich hat ereignet, Stand im Wocheblatt verzeichnet; Und worauf ſie ſchon lang geharrt, Den Eltern nun beſcheret ward:
Sin Junge ſtrampelt in der Wiege, Dem Vatter mächt das viel Vergniege. L— 2
Fün
Die Fünfziger⸗Seitung koſtet pro Quartal— nichts, kommt nur der Fünfzigerkaſſe teuer zu ſtehen.
(ächt und nicht ächt von häi).
Was dies Jahr vor ſich gehen ſoll, Das ſteht im Fünfziger⸗Protokoll: Hauptfeier, Ausflug, Sommerfeſt
— Und was ſich ſonſt noch mache läßt! Wird nett verrate, wird verſchwiege, Deſto größer wird's Vergniege.
J
ziger⸗Feſt⸗Seitung
Offizielles Organ der Fünfzigjährigen in Gießen
Preis der Anzeigen: koſten ebenfalls nichts, dürfen aber nicht übel genommen werden.
Ro. 1
Samstag, den 25. Juni
1904
Expedition: 25. Juni abends und nachts in Steins Garten, 26. Juni nachmittags auf dem Schiffenberg, 27. Juni den ganzen Tag und abends im Philoſophenwald.
Inſerate für die nächſte, am 25. Juni 1954 erſcheinende Nummer müſſen ſpäteſtens am 1. Januar 1954 aufgegeben werden, ſpäter eingehende erſcheinen erſt im Jahre 2004.
—½ Seſtgruß.—
Altersgenoſſen im fröhlichen Kreiſ', Stimmet an die ſchöne Weiſ',
Die ſchon oft erklungen!
Laſſet alle Sorgen daheim
Und uns heute luſtig ſein,
„ Wir wollen ſein die Jungen!
Führt uns die Erinnerung
Doch in die Jahre, da wir jung
Uns des Lebens freuten.
Blickot zurück in die ſchäne Zeit
Wo uns Allen die Welt noch ſo weit „ And keinen Streich wir ſcheuten!
Fünfzig Jahre ſind entrückt,
Da wir das Licht der Welt erblickt, Sei's in der Fern' oder Gießen— Einerlei, beim heutigen Feſt
Sind vereinigt ja alle Gäſt',
„ Um es froh zu genießen!:;
Mög' nach abermals dreißig Jahr' Die verſammelte Feſtesſchaar
Sich zuſammenfinden
Alle frob und wohlagmut
Sich erlaben am Repenblut
„ Unter den blühenden Linden.,
Mel.: Reinen Tropfen im Becher mehr.
Wenn das Haupt dann auch ſchneeweiß Und des Alters Bürd' ſich leiſ'
Geltend macht mehr oder minder, Unſ're Herzen friſch und jung,
Heit're Lieder auf der Hung',
„ Spotten des Lebens Winter.;
Mög' dieſer Wunſch in Erfüllung geh'n Wir nach Jahrzehnten uns wiederſeh'n Friſch, das dürfte nichts ſchaden!
Hoht die Släſor und ſtoßet an Hoffnungsfreudig Mann für Mann— „ Proſit Kameraden!,:
Coaſtlied.
Ich grüße Dich, fröhliche Feſtesſchaar,
Die ſich heut' hier eingefunden,
Zu feiern dahier uns Jubilar',
Die fünfzig Jahr' überwunden.
Auf Suer Wohl, Kameraden im blonden Haar, Auf Euer Glück und Geſundheit noch viele Jahr', Auf SEuer Wohl, auf Euer Wohl!
Ich grüße Such Alle, Mann für Mann,
Die Ihr hier ſitzet im Kreiſe,
Ich hebe mein Glas und ſtoß mit Euch an Und ſinge auf's Neue die Weiſe:
Auf Suer Wohl, Kameraden im ſchwarzen Haar, Auf Suer Glück und Geſundheit noch viele Jahr', Auf Suer Wohl, auf Euer Wohl!
Ich grüße Euch, die Ihr verſammelt ſeid, Zu ſein recht froh und fidele,
Ich grüß Such von Herzen, ich grüß Euch voll Und ſinge aus voller Rehle:[Freud' Auf Euer Wohl, Kameraden im grauen Haar, Auf Euer Glück und Geſundheit noch viele Jahr', Auf Euer Wohl, auf Euer Wohl!
Das letzte Glas trink' ich aus bis zum Grund Auf die Freundſchaft, die wir wollen halten, Wir ſind Alle friſch, wir ſind ja noch jung, Wir zählen noch nicht zu den Alten.
Auf Suer Wohl, Kameraden mit Mondenſchein, Mög' Gott auch ferner mit uns ſein.
Auf Euer Wohl, auf Euer Wohl!
Lokales.
— Reues Bahnprejeit. Im Anſchluß an die bereits projektierte Eiſenbahn von Friedberg über Grüningen nach dem Gail'ſchen Tonwerk ſoll nunmehr der Bau einer Sahnradbahn nach dem Schiffenberg in Ausſicht ſtehen, welche es den Fünfzigern ermöglicht, in Zukunft von dem Frühſchoppen leichter und bequemer auf den Schiffenberg zu kommen.
— Schulhausneubau. Mer erleben's zwar nett, awer Ihr werd ſeh'n, daß die höhere Töchterſchule in dieſem Jahrhundert noch ins Lewe kimmt; Bäm ſinn ſchon ausgeriſſe unn die Plän ſinn ſeit vorigem Jahrhundert gemacht.
— RKunſtnotiz. Während der Fünfziger⸗ Verſammlung iſt in Steins Garten ein Kabinet mit Raritäten eingerichtet, in welches bis jetzt folgende Gegenſtände eingeliefert wurden: Sine Omnibusaktie, die ſchon Dividende einbrachte, eine Volksbadaktie desgl., der Grundſtein zur projektierten höheren Töchterſchule, desgl. zum Sießener Theater⸗ und Ronzertſaal, der Ver⸗ faſſer des Singeſandt über das Vordemladen⸗ ſtehen der Kaufleute, das Modell zum neuen Bahnhofgebäude.
Weitere Gegenſtände werden gern entgegen⸗ genommen.
— vVon einem traurigen Unglücksfall hätten wir beinahe berichten können. Auf dem Heim⸗ weg von der letzten Fünfziger⸗Verſammlung fiel einer unſerer Altersgenoſſen in den von Bau⸗
unternehmer Winn ausgeſchachteten Kanalgraben der Schwiegervater⸗Straße und hätte ſicherlich darin verſchmachten müſſen, wenn nicht nach und nach noch mehrere hinzugefallen wären, welche ſich glücklicherweiſe gegenſeitig heraus— helfen konnten. Ein ſchöner Beweis des Sprich⸗ worts:„Einigkeit macht ſtark!“
— Freunden einer wildromantiſchen Land⸗ ſchaft, ſowie den Mitgliedern des Alpenklubs empfehlen wir ſtatt der diesjährigen Hochgebirgs⸗ tour eine Wanderung durch die Straßen Gießens. Hohe Berge, tiefe Gräben ſind ſtets zum Ab— ſturz bereit, während bei Regenwetter ſpiegelnde Seen das Auge des Touriſten entzücken.
Zur ſicheren Verbindung der Bürgerſteige ſollen die im Gordon Bennett⸗Rennen benutzten Brücken Verwendung finden.
— Wwegen des fliegenden Gerichtsſtandes haben mehrere Redakteure der Fünfzigerzeitung ihre Aemter niedergelegt.
Gedanken eines Fünfzigers.
„Die Tiefe des leeren Stadtſäckſels ſteht im Ver⸗ hältnis zur Tiefe der Ranäle und im umgekehrten Ver⸗ hältnis zur Höhe des Steuerzettels.“
„Einen ehemaligen Großherzog, einen Rommerzien⸗ rat und mehrere Barone haben wir bei unſeren Alters⸗ genoſſen, aber keinen Stadtrat, der unſere Intereſſen im Stadtvorſtand vertritt— Wenn ich auch gar nix bin, ſo bin ich wenigſtens„Seitgenoſſe“!
„Nachdem die alten Fünfziger alle eingezogen ſind und die neuen weniger Silber⸗, aber mehr Kupfergehalt beſitzen, möchte ich wiſſen, wie hoch meine Naſe im Rurſe ſteht.“
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