Fünfziger⸗Lied.
Mel.: Ich bin der Doktor Eiſenbart.
Es ſind jetzt über fünfzig Jahr,
Da war'n die Buben ziemlich rar; Das machte vielen Eltern Sorg'
Weil Mädchen brachte nur der Storch.
Um vierundfünfzig trat Aend'rung ei' Bald war's mit Buben in der Reih. '8 gab Buben bald, ſo wunderſchön, Wie wir ſie heute vor uns ſeh'n.
Doch war damals bei uns im Land, Das Standesamt noch nicht bekannt.
Kam früher der Storch zum Beſuch: Der Pfarrer ſchriebs ins Kirchenbuch.
Und wie man ſieht, ein' ſtattlich' Liſt' Aus dem Kirchenbuch gezogen iſt. Die Buben ſind gedieh'n famos
Und ſind auch alle ziemlich groß.
Und angehör'n ſie alle Ständ'
Die tätig ſind mit Kopf und Händ' Siner macht Schuh', der and're Röck, Der dritte Wurſt, der vierte Weck.
Ein and'rer wieder Bücher führt,
Und noch ein and'rer hat ſtudiert, Und noch ein and'rer ſpannt Gäul' an Oder ſchafft auf der Siſenbahn.
Und noch ein and'rer Häuſer baut, Ein weiterer in Strafakten ſchaut. Der dritte ſpendiert Speiſ' und Trank, Der viert' ſchafft an der Hobelbank.
Es dient der Stadt und auch dem Staat Der Beamte und auch der Soldat.
Der eine kranke Menſchen heilt,
Der and're an dem Schraubſtock feilt.
Doch wozu lange ſich abquäl'n,
Der Zunft nach alle aufzuzähl'n. Die Hauptſach' iſt, daß jeder gut Sein' Arbeitskraft verwenden tut.
Verſchieden wie Beruf und Stand, Iſt auch des Fünfz'gers Heimatland: Das Hochgebirg, der Strand der See Doch viele ſind auch echt von häi.
D'rum liebe Brüder,'s Glas zur Hand,
Feſt umſchling uns ein Freundſchaftsband.
D'rauf alle freudig mit anſtoßt:
Es leb' die Fünfz'ger⸗Freundſchaft— Proſt! E.
Willekumm! Willkommen all ihr edlen Gäſte Zum heut'gen frohen Jubelfeſte! Stellt ein Such mit den Glockenſchlag, Verlaßt uns erſt mit Zungenſchlag!! F Seht Ihr die Ratten, die Mäuſ' und die Mück', Denkt Ihr noch oft an die Jugend zurück! v Kein Feuer, keine Kohle kann brennen ſo ſehr, Als wenn mer emol Dorſcht hot Und's Portmanaie iſt leer! * Am Montag wird erfüllt die Luft Wenn's Fünfzigerfeſt wir halte, Von Kaffee⸗ und von Kucheduft Im Philoſophenwalde.
—„ 8„ Zwiegeſpräch. Mietzehipper: Haſt Du denn auch ſchon gehört,
daß die Jeanette Häringsbändiger geworden iſt d Wurſtnas(welcher 30 Jahre von Gießen weg iſt): Das iſt doch eine große Kourage für ein Frauenzimmer. Mietzehipper: Dummes Oos, wie kannſt Du nur glauben, daß das ein Weibs— bild iſt, es iſt ja ein Fünfziger, der mit der großen Glatze. Jetzt geht mir eine Stalllaterne auf, Donnerwetter, ich weiß jetzt, wer das Jeanettchen iſt.
Wurſtnas:
Ob ſich's wohl machen läßt?
Ein Töchterchen ſaß auf des Däterchens Schoß Und kraut ihm vertraut in den Haaren;
Es war für die beiden das glücklichſte Los, Wenn abends zuſammen ſie waren.
Und wie er heut' wieder ſo glücklich da war, Mit ſeinem Mariechen zu ſpielen—
Da fand ſie am Papa ein grauweißes hHaar, Das einzige unter den vielen.
Da machte Mariechen ein wichtig Geſicht
Und ſagte:„Gelt, liebes Mamachen,
Wenn Papa jetzt mehr ſolche hHärchen noch kriegt, Dann wird er mein Großpapachen?“
Eingeſandt.
(Für Inhalt und Wahrheit der eingeſandten Krtikel über⸗
nimmt die Redaktion keinerlei Derantwortung. Etwaige
Berichtigungen können erſt in der am 25. Juni 1954 erſcheinenden Nr. aufgenommen werden.)
Geehrter Herr Redaktör!
Wirde ſe nett ſo gut ſei' unn den Herren im Vor⸗ ſchtand der Fuffziger emfehle, daß die Sitzunge, Ge⸗ burtsdäg uſw. nett immer gar ſo lang dauere. Mei' Mann is nemlich aach bei de Juffziger, bleibt awwer gewehnlich, wann ſe Gebugsdag feiere, ſo lange hocke, daß die Gickel krähe, wann er haam kimmt. Er hat dann de ganze annere Dag en dicke Kopp unn ſeggt, es wär em ſchleecht. Kaa Wunner, deß viele Trinke, Raache, Redde unn Singe mächt die Leut dorchenanner. Ich wär iwwerhaupt defiehr, daß aach die Fraue ihr Fuffzigerfeier haale deete, nadierlich bei Kaffee unn Ruchche. Singe und Redde, beſonnerſch Redde kann mer ſchließlich aach, unn wann mer unſe Männer unn Schwiegerſehn' eilade, aach danze. Ich werd Ihne, wann ich fuffzig Jahr alt ſein(es hat zwar noch lang FZeit) deß noch emoal unnerbreite, awwer ich glaab, es geht.
Bis dahin grießt Sie
Frau Babette hannewackel.
Anm. der Redaktion: Wir ſind ganz mit Ihrem Vorſchlag, daß auch die Frauen ihre Fünfzigerfeier halten, einverſtanden, fürchten aber, daß die Sahl der Teilnehmerinnen nicht groß wird, weil nach unſeren Erfahrungen die Frauen ihr Alter ohne weiteres nicht angeben, höchſtens vor Gericht. Zur eidesſtattlichen Verſicherung liegt aber hier keine Veranlaſſung vor. Gegen das lange„hHocken“ hinter dem Bierglaſe iſt noch kein Kraut gewachſen; hoffentlich können wir Ihnen in der nächſten Ur., die im Juni 1954 erſcheint, Huskunft geben. Bis dahin haben Sie wohl Geduld.
(c enatſelecle ee(
Wer pflegt treueſte Freundſchaft? Unſer Gerichtsvollzieher Geißler, denn er nimmt immer den Siegel vorſorglich mit.
Es iſt ein Bad in heſſen; hängt er hinten dran, iſt's ein fünfzigjähriger Mann. an in
Weelches iſt die größte Kurioſität unter den dies⸗ jährigen Fünfzigern? ulng SoSpl5ehunl u
Ein wohlbekanntes Gartenkräutchen Erratet nun einmal, Ihr Leutchen, Erweiſet ja nicht Euch als Stümper,
Hell ſeid und knackt die Nuß der Pimper! Trennt man's, verändert einen Vokal, Dier Fünfz'ger erſcheinen auf einmal.
Ilou Sllou aaduuch
Ich bin groß und bin doch klein; Sagt mir doch, wer mag das ſein!
uplR 4-.
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GRedaltions Brieftaſten 1
Anfrage: Wer macht Nägel mit Köpp d Antwort der Redaktion: Der Fünfziger Ragel.
Fünfziger, hier. Sie fragen, ob unter den dies⸗ jährigen Fünfzigern kein Stadtverordneter iſt? Die Frage müſſen wir verneinen. Die klltersgenoſſen Müller und Elle waren, wenn wir uns recht erinnern, 1901 beinahe nahe daran, Stadtverordnete zu werden; ſie fielen leider durch, obwohl ſie beſonders geeignet waren, das Intereſſe der Bürgerſchaft, ſpeziell der Fünfziger zu vertreten. Veranlaſſen Sie bei der diesjährigen Wahl die Wiederaufſtellung der gen. Altersgenoſſen, wir glauben annehmen zu dürfen, daß ſie ſich vor abermaligem Durchfall nicht fürchten.
Eine Schul⸗Erinnerung.
Es war im Sommer des Jahres 1866,
Da bummelten fünf Pennäler ganz bedächtig, Die Luft war rein und auch recht kühl,
Den ſchönen Weg zur heuchelheimer Mühl.
Von dieſen fünf ſind zwei von hier entfernt ſehr weit, Der dritte ſtarb vor kurzer Seit;
Die beiden andern ſind euch gut bekannt:
Sie werden Dax und Ette nur genannt.
Sie gingen ihres Wegs dahin,
Nichts Böſes dachten ſie in ihrem Sinn; Da kam auf einmal angerannt
Herr Ruckelshauſen, als Schnurr bekannt.
Er fragt:„Ihr Jungens, was macht Ihr hier? Ihr wollt gewiß zum Glaſe Bier.“
Sie ſagten:„Das Biertrinken liegt uns fern, Wir gehn nach Rinzenbach zum Freund Matern.“
Doch Schnurr ließ ſich ſo leicht nicht vertreiben, Er zog es vor, bei den Jungens zu bleiben. Der Dax gab der Ette nun einen Stoß
Und ſprach:„Der Schnurr iſt ein freches Os.“
Sie wollten ſo gern doch ohne ihn gehn, Um die Menſur auf der Mühle anzuſehn, Und den Studenten bringen den Bericht: Nehmt euch in acht! Schnurr iſt in Sicht!
Sie ſagten kein Wort und fingen an zu laufen; Der Ruckelshauſen unter heftigem Schnaufen
Lief immer weiter hinterdrein,
Doch half ihm kein Drohen und auch kein Schrei'n.
Der eine der Freunde blieb aus Ungſt zurück, Er hatte ſich verkrochen unter einer Brück; Die andern kamen erhitzt angerannt
Und machten das Nahen des Schnurrs bekannt.
Die Spuren der Menſur wurden raſch verwiſcht
Und Wein und Bier jetzt aufgetiſcht;
Herr Schnurr wurde eingeladen dazu,
Er ſagte:„Im Namen des Geſetzes, laßt mich in Ruh.“
Die Jungens hatten ſich auf vier Bäume retiriert, Doch hat ſie der Ruckler gleich aufgeſpürt.
„Ich will euch helfen, ihr Schockſchwerenöter; Strafe bekommt von euch doch ein jeder.“
Er dachte, er könnt' ſie durch Klettern kriegen, Da ſah man um den Uopf ihm die Uepfel fliegen. Sie warfen ihm die Raſenſpitze blutig;
In Gießen mußte ihm helfen Doktor Frutig.
Doch für die Jungens ging die Sache bald ſchief; Der Schnurr am Montag zum Pater lief
Und meldete den Vorfall ſofort
Und bat um Beſtrafung am richtigen Ort.
Da wurde eine Lehrerkonferenz beſtimmt,
Denn einen ſolchen Fall man ſehr ernſthaft nimmt. Doch durch Schöps, das liebe alte hHaus,
Fiel die Sache ganz glimpflich aus.—
Nach Schluß der Stunde ſprach er mit Lachen:
„Ihr Jungens, was macht ihr nur für Sachen!
Ich bin ein Gießer, war ſelber Student,
Sonſt nähm' die Geſchichte ein anderes End.
Geht ruhig nach haus, die Straf' iſt euch erlaſſen, Ein andres Mal läßt das Kollegium nicht mit ſich ſpaſſen.“


