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So hatte sich denn die thatsächlich bereits geschehene Auflösung des deut- schen Reichs auch formell vollzogen, die deutsche Kaiserkrone war ohne Sang und Klang zu Grabe getragen worden.
Auf der einen Seite stand nun der Rheinbund, dessen Fürsten sich mit Napoleons Hilfe auf Kosten ihrer minder mächtigen Standesgenossen bereichert und die bis dahin selbständig Gewesenen unter ihre Souveränität gebracht hatten, auf der anderen Seite die Zahl der dem rheinischen Bund nicht beigetretenen Reichsstände, denen jedoch die Möglichkeit des Beitritts durch Art. 39 der Bundesakte gegeben war.
Die Rheinbundsakte enthält in den Artikeln 13— 26 eine genaue Aufzählung derjenigen Gebietsteile, welche unter die Souveränität der Rheinbundsfürsten kommen, bezw. in das unumschränkte Eigentum derselben übergehen sollten. Mit Letzteren haben wir uns hier überhaupt nicht zu befassen, mit Ersteren nur insoweit, als es sich um reichsständische Besitzungen handelt und diese Besitzungen unter die Souveränität der zum Grossherzogtum erhobenen Land- grafschaft Hessen-Darmstadt kamen.
Diese Sonderbestimmungen für das neue Grossherzogtum sind in den Artikeln 21 und 24 enthalten. ³)
Der Artikel 21 hat folgenden Wortlaut:
„Son Altesse Sérénissime Le Grand-Duc de Hesse-Darmstadt réunira à ses Etats le Bourgraviat de Friedberg, pour le posséder en Souveraineté seulement pendant la vie du Bourgrave actuel, et en toute propriété après le décès dudit Bourgrave.“
Artikel 24 lautet:
„Leurs Majestés Les Rois de Bavière et de Würtemberg, Leurs Altesses Sérénissimes Les Grands Ducs de Bade, de Berg et de Hesse-Darm- stadt etc. etc.... exerceront tous les droits de souveraineté sgavoir: Son Altesse Sérénissime Le Grand-Duc de Hesse-Darmstadt; sur les Seig- neuries de Breuberg et de Heubach et sur la Seigneurie ou Bailliage de Habizheim; le Comté d'Erbach, La Seigneurie d'Ilbenstadt, la partie du Comté de Koenigstein, possédée par le Prince de Stollberg-Gedern, Les possessions des Barons de Riedesel etc. etc.... les possessions des Princes et Comtes de Solms, en Wetteravie(à l'exception des bailliages de Hohensolms, Braunfels et Greifenstein) et enfin sur Les Comtés de Wittgenstein et Berlebourg, et le Baillage de Hesse-Hombourg possédé par la Branche de ce nom appanagée de Hesse-Darmstadt“.
Hiernach kommen folgende Fürsten und Gebiete unter die Souveränität des Grossherzogtums:
I. Der Fürst zu Löwenstein-Wertheim-(Rochefort) Rosenberg ⁴) mit nachstehenden Besitzungen: ⁵)
A. Das Amt Habitzheim mit den Ortschaften): Habitzheim, Nieder-Klingen, Ober-Klingen, Hassenrod, Wiebelsbach, Frau-Nauses, Ober-Nauses, Mittel-Kinzig, Birkert(Habitzheimer Seite), Wald-Amorbach, Hetschbach, Schloss-Nauses.
³) Citirt nach dem diplomatisch genauen Abdruck in»Deutsche Staats grundge- setze.« Herausgegeben von Karl Binding. III. Heft. Weniger korrekte Abdricke bei Winkopp,»Die Rheinische Konföderationsakte«, Frankfurt a. M. 1808. Win- Kopp,»Der Rheinische Bund« Band I, pag. 10 ff. Eine offizielle Ubersetzung für Hessen siehe im Archiv der Grossherzoglich hessischen Gesetze und Ver- ordnungen, Band I, pag. 4 ff.
4) Den Namen»Rosenberg« hatte der Fürst im Jahre 1803 nach der Abtretung der Grafschaft Rochefort(1801) angenommen. Rosenberg ist der Hauptort der Grafschaft Wertheim.
⁵) Wegen anderer ehemals reichsständischen Besitzungen kam der Fürst gleichzeitig unter die Souveränität von Baden, Würtemberg und des Fürsten Primas(später Grossherzog- tum Frankfurt), wegen letzterer Besitzungen nachmals unter die Souveränität von Baiern.
*) Vergl. Beiträgezur Statistikdes Grossherzogtums Hessen, Band XIII, S. 10.


