Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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188 Schloss Schaumburg.

etwas zu erkennen ist. In seinem Testament vermachte Erzherzog Stephan das wertvolle Besitztum seinem Neffen, dem Herzog Georg Ludwig von Oldenburg, der indessen in seinem Besitzstande bald von der dritten Linie, der Waldeckischen, angefochten wurde. Als Fideikommiss wurde dasselbe nach langem und kostspieligen Pro- zess den letzteren zugesprochen, so dass der Besitzer der Schaum- burg seit 1888 der Fürst Georg Victor von Waldeck ist. Für den Besuchenden ist dieser Besitzwechsel nur dadurch nachteilig ge- worden, dass die wertvolle Mineraliensammlung, welche Erzherzog Stephan mit vielem Interesse und Verständnis im unteren Stock- werk des neuen Baus angelegt hatte, dem Schlosse und der Pro- vinz entfremdet wurde. Sie wurde von dem Landtagsabgeordneten Rumpf in Berlin aufgekauft und nach dessen Tode von der Witwe dem Staats- muscum überwiesen.

Vom Wirts- hause gelangt man auf dem durch den parkartigen Schloss- garten aufwärts führenden Haupt- wege zu dem äus- seren Thor und durch dieses in den ãusseren Burghof. Hier hat man den ein längliches Viereck bildenden, von vier achteckigen Eck- türmen flankierten Haupthau vor Augen, durch den ein hohes Hortal in den innern, fast quadratischen Hof führt. Vor dem zweithürigen Portale des Mittelbaues fallen links zwei Erastandbilder, Herolde darstellend, in die Augen, welche von Professor Keil herrühren. Neben dem Hauptturm das Standbild Melanders, von dem Kölner Bildhauer Menzenbach aus Sandstein hergestellt. Aus dem Hofe steigt, vom Haupt- bau vorspringend, der achteckige Turm auf, das Ganze mächtig überragend, zugleich der Mittelpunkt der Nassau- ischen trigonometrischen Landesvermessung. Leider ist er neben dem Gewächshause der einzige Raum in dem Schlosse, zu dem der Zugang gestattet ist; die Erlaubnis, die übrigen, allerdings durchaus modern eingerichteten Räume besichtigen zu dürfen, wurde zurückgezogen, nachdem eine Anzahl Gäste sich gegen den anwesenden Fürsten höchst aufdringlich und rücksichtslos benommen hatte. Zur Besichtigung des Turmes erhält man in dem Hauptportal, wo eine Schelle den Pförtner