Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Schloss Schaumburg. 187

Sommer viel besucht, Pension für 25 Gäste; Pensionspreis durchschnittlich 4,50 Mk.

Das prachtvolle Schloss, welches sich beherrschend auf einem 279 m hohen Basaltkegel über der Lahn erhebt, macht keineswegs den Eindruck, dass es aus einer der ältesten Burgen des Lahngaus heraus- gewachsen ist. Schon 915 wird die Schaumburg in einer Urkunde Konrads I. erwähnt. Nach mannigfachem Besitzwechsel kommt sie 1279 in den Besitz der Grafen von Westerburg, welche im 14. Jahrhundert hier residierten, und gegen welche Balduin von Trier die Burg Balduinstein erbaut. Längere Zeit an Catzeneln- 5 bogen und nachher an Hessen verpfändet, wurde Schloss und Herrschaft nach ihrer Einlösung von dem Grafen Wilhelm von Westerburg-Leiningen 1656 an die Gräfin Agnes von Holz- appel, Witwe des aus dem dreissigjährigen Kriege bekann- ten und in demselben ge- fallenen kaiserlichen General- feldmarschalls Peter Melander, um die Summe von 70 000 Gulden verkauft. Die Tochter des 1812 verstorbenen letzten Fürsten, Viktor II., brachte die 1806 mediatisierte Herr- schaft durch Vermählung an den Palatin von Ungarn, Erz- herzog Joseph, während zwei jüngere Töchter an den Gross herzog von Oldenburg und den Fürsten von Waldeck verheiratet waren. Der Sohn Josephs, Erzherzog Stephan, ebenfalls erwählter Palatin von Ungarn, welcher sich aber durch seine liberale Haltung während des Revolutionsjahres 1848 am Wiener Hofe missliebig gemacht hatte, wählte die Schaumburg zu seiner Residenz. Mit Hilfe des Oberbaurats Boos und des Architekten Frickhöfer hat dieser kunstliebende Fürst, dessen Leutseligkeit und Wohlthätigkeit, noch jetzt in der Gegend in jedermanns Munde ist, und der durch seine Gastfreiheit zahlreiche Fremde anzog, eine Schloss- anlage geschaffen, die in deutschen Landen ihresgleichen suchen darf. Ihm verdanken der im englisch-gotischen Stile, gehaltene Neubau, die Façade des Mittelbaus, die Gewächshäuser, das Schweizerhäuschen, der Marstall, die Gartenanlagen ihre Ent- stehung, während von den ältesten Anlagen der Burg kaum noch

Schloss Schaumburg.