Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen

154 Dietkirchen.

Pfarrkirche, war sie ehemals Kirche des 1802 aufgelösten Chor- herrnstifts St. Lubentius und Juliana, dessen Probst Archidiakon aller Trierischen Kirchen rechts des Rheines war. Die jetzige romanische dreischiffige Lfeilerbasilika mit schlanker Doppelturm- anlage am Westende stammt in den Hauptteilen wahrscheinlich aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts. Die mit Kreuzgewölben überspannten Seitenschiffe öffnen sich nach dem Mittelschiff, welches eine Holzdecke trägt, an den Langseiten in je 4, an der Turmseite mit 2 Arkadenbogen. Die doppelte Arkadenreihe trägt wesentlich zur Belebung der schweren, ungegliederten Mauermassen des hohen Mittelschiffs bei. Den Längs- schiffen ist in der Breite des Haupt- baus ein durch Pfeilerstellung gebildetes Querschiff vorgelegt, welches nach Osten durch eine halbrunde Apsis geschlossen ist. In späterer Zeit ist durch Restau- ration manches verdorben worden. Als man bei solcher Gelegenheit den Boden des Chors tiefer legte, fand man einen alten Steinsarg mit der Inschrift: Hie quiescit corpus Sti. Lubentii confessoris, 2 der unter dem Hauptaltar unter- gebracht ist und jetzt wie früher das Ziel zahlreicher Wallfahrten der Umgegend bildet. Anfang Oktober wird all- äährlich in Dietkirchen ein altberühmter, dreitägiger Markt abgehalten, zu dem vom Wester- wald, aus dem Lahnthal und dem Taunus Tausende von Menschen zusammenströmen.

Eine Chaussee führt in einer starken halben Stunde über die Höhe nach Limburg, ebenso ein Fahrweg an der Lahn entlang. Doch kann man die Strecke auch mit dem erwähnten Dampfboot machen, wobei man längere Zeit auf den Limburger Dom einen freien, durch keine Vorbauten gehemmten Ausblick hat, wie er sich sonst nicht leicht gewinnen lässt.

Dietkirchen.

Den weiten Bogen, welchen die Lahn von Kerkerbach bis oberhalb Limburg macht, kürzt die Bahn ab, indem sie unterhalb der Station Kerkerbach unmittelber nach Ueber- schreitung des Flusses die sich entgegenstellende Bergmasse in einem Tunnel durchbricht und gleich darauf das Thal des Emsbachs überschreitet.