Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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112 Hohensolms, Werdorf.

Schritten rechts und kommt nach 10 Min. wieder auf die Strasse gegenüber dem rechts von der Strasse aufsteigenden 407 m hohen Altenberg, welcher von seinem steinernen Aus- sichtsturm eine prächtige Rundsehau bietet. Von der Solmsschen Burg, welche im Mittelalter den Gipfel krönte, sind Spuren nicht mehr vorhanden, wohl aber Reste des altgermanischen Fingwalls, der sogar auf der einen Seite als doppelter sichthar ist. Man kehrt zur Strasse zurück und verfolgt dieselbe bis zum Dorf Hohensolms, 437 m, Wirtschaften von G. Führer und Ch. Sänger, Sitz eines zum Kreise Wetzlar gehörenden Bürgermeisteramts. Ueber dem Orte erhebt sich weithin sicht- bar das von mächtigen Linden umstandene Sehloss des Fünsten von Solms-Lich, von welchem man eine weite, bis zum Meissner und Inselsberg reichende Aussicht hat. Die Burg, zuerst 1323 erwähnt, wurde verschiedene Male, zuletzt im dreissigjährigen Kriege, zerstört. Das jetzige Schloss entstammt der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, bietet aber, da von den stehen- gebliebenen Resten der früheren Anlagen einzelne Räume zum Teil modernisiert in den Neubau eingezogen wurden, ein wenig einheitliches Ganzes. In den Fürstenzimmern des Obergeschosses finden sich Gobelins aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit Landschaften und Jagdscenen, sowie Stühle mit Stickereien des 18. Jahrhunderts. Ursprünglich zu dem gemeinschaftlichen Besitz der Solmsischen Hauptlinien gehörig, wurde Hohensolms bei der Erbteilung 1436 Sitz einer eigenen Linie unter Johann von Solms-Lich, dessen Erben es noch besitzen.

Etwas kürzer ist der Weg direkt von Wetzlar nach Hohensolms. Beim Uebergang über das Köln-Giessener Ge- leise biegt man gleich rechts den roten Strichen nach, die an dem Walzwerk vorbei zunächst über Feld nach dem Dorfe Niedergirmes, jenseits desselben auf die Höhe und oberhalb Blasbach an Bubenrod vorbei(S. 68) zum Altenberg und nach Hohensolms führen.

Unmittelbar jenseits Asslar überschreitet die Köln-Giessener Bahn die Dill, während die Landstrasse sich auf der rechten Flussseite hält. 7 km. Haltestelle Werdorf. L. am Bergrande liegt Berghausen, während der gegenüberliegende grössere Ort Werdorf mit der Station durch eine Brücke verbunden ist. Das Geschlecht der Herren von Werdorf war im 17. Jahr- hundert ausgestorben und ihr Besitz dem Grafen von Solms- Greifenstein zugefallen. Graf Wilhelm II. überliess das Gut Werdorf für gemachte Vorschüsse seiner zweiten Gemahlin Sophie von Hohenlohe-Schillingsfürst, welche hier Ende des 17. Jahrhunderts ein schmuckloses Burghaus als Witwensitz erbauen und schöne Gärten um dasselbe anlegen liess. Jetzt