Wetzlar, Der Dom. 97
unteilbare) zurückbehalten wurden. Für das Studium der Rechts- und Kulturgeschichte bietet dasselbe sehr wertvolles Material, welches noch lange nicht genügend ausgebeutet ist und von dem Vorsteher desselben, dem Geheimen Archivrat Veltmann, in der zuvorkommendsten Weise zugänglich gemacht wird. Hier wird auch das erwähnte Matrikelbuch mit den Eintragungen Goethes und Steins aufbewahrt.
Während bei der Weinstube von Ortenbach und etwas weiter rechts verschiedene Treppen zur alten Lahnbrüecke hinabsteigen und dem Fremden einen interessanten Einblick in den Aufbau der Stadt gewähren, biegt links die Schwarz- adlergasse auf den Buttermarkt, den grössten und schönsten Platz der Stadt. An der Ecke der kleinern Abseite zur Rechten steht ein stattliches, mit einem schwarzen Doppeladler ge- schmücktes Gebäude, welches dem Reichskammergericht für seine Sitzungen diente, bevor dieses in die neue Behausung in der Hausergasse übersiedelte. Auf der Nordwestseite des Buttermarktes steht an der Ecke der Baugasse das jetzige Rathaus, welches in dem städtischen Archiv zahlreiche auf die Geschichte Wetzlars bezügliche Urkunden, besonders eine Reihe vorzüglich erhaltener Kaiserurkunden, nebst einigen nicht uninteressanten Altertümern birgt.
Auf der rechten Seite des Marktes, der südlichen, liegen zwei Gasthöfe. Das Herzogliche Haus an der Ecke des Fusch- und Buttermarkts, führt seinen Namen von einer Herzogin Pauline von Württemberg, die in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts getrennt von ihrem Gemahl hier resi- dierte. Das Gebäude oberhalb, in noch späterer Zeit als Gasthaus zum Dom eingerichtet, dürfte das älteste Privathaus der Stadt sein und diente schon im vierzehnten und fünf- zehnten Jahrhundert für den Propst des Kollegiatstifts als Wohnung. Die mächtigen, 1 ½ m dicken Mauern schützten es bei den zahlreichen Bränden, welche die Stadt heimsuchten. Das Haus darüber am Eingange der Enten- und Schmiedgasse, jetzt den Eisenwarenladen von Brenner enthaltend, war zu Goethes Zeit unter dem Titel„Zum Kronprinzen“ der erste Gasthof der Stadt. Hier hatte er seinen Mittagstisch und fand jene lustige Gesellschaft, aus der ihm, wie er in Dichtung und ahrheit erzählt, ein drittes akademisches Leben ent- gegensprang.
An der ehemaligen Hauptwache vorbei, einem flachen Gebäude aus rotem Sandstein, dessen Bestimmung dunch den steinernen Landsknecht über dem Portal und die beiden Adler an den Ecken angedeutet wird, gelangen wir zum Dom, welcher die nördliche Seite des Platzes, mächtig in denselben hineinragend, einnimmt, in seschichtlicher wie künstlerischer
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