Bad Nauheim. 83
durch Umtausch gegen Homburg hessen-darmstädtisch geworden, die Spielbanken 1872 aufgehoben wurden, fürchtete man allen Ernstes, dass es jetzt auch mit dem Bade zu Ende gehen werde. Aber die Nauheimer Sole, die am 15. Mai 1855 noch durch das Hervorbrechen einer neuen Quelle, des Friedrich-Wilhelm-Sprudels, verstärkt worden war, hatte sich als so heilkräftig und wirksam erwiesen, dass das Gegenteil eintrat; besonders seit der Mitte der achtziger Jahre nahm Nauheim einen derartigen Aufschwung, dass es von Jahr zu Jahr einen grössern Weltruf erlangte und jetzt mit über 20 000 Badegästen zu den besuchtesten Badeorten Deutsch- lands zähllt.
Die Nauheimer Quellen vereinigen in glücklichster Zu- sammensetzung die verschiedensten und wertvollsten Eigen- schaften. Infolge ihrer natürlichen Wärme, die für viele Zustände gerade passend ist, wirken sie als Thermalbad, wie Wildbad, Teplitz, Ragatz, Gastein u. a., durch ihren Salzgehalt wie Kreuznach, Kösen u. s. w. als Solbad, durch ihren Reich- tum an Kohlensäure wie Schwalbach, Pyrmont u. a. als Stahl- bad, und die vorhandenen Einrichtungen gestatten, Bäder jeder Art, von den schwächsten bis zu den stärksten, zu verabfolgen. Frübjahr 1900 wurde die Solezufuhr Nauheims durch eine neue Quelle vermehrt. Nach längeren Bohrversuchen, welche nach Anweisung des hessischen Landesgeologen Prof. Dr. Lepsius angestellt waren, erschloss sich am 7. März der neue, sehr salz- und kohlensäurehal- tige Sprude! Nr. 14, ohne dass der ganz in der Nähe gelegene grosse und der Fried- rich-Wilhelm- Sprudel dadurch wesentlich beein- trächtigt wurden.
Die Haupt- krankheiten, zu deren Hebung der
Gebrauch der Nauheimer Bäder zu empfehlen ist, sind Herzleiden, Gicht und Gelenkrheuma- tismus, Katarrhe, Rhachitis u. s. w.
Nauheim ist aber nicht nur als Badeort für heilsbedürftige besuchenswert, sondern gewährt durch seine schöne Umgebung, durch seine musterhaften Anlagen, besonders aber durch das bunte Badetreiben während der Saison auch dem Vergnügungs-
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Friedberg.


