Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Kloster Arnsburg. 73 vulkanischen Gesteinmassen hin zur Bergermühle und weiter zu einer Brücke über einen kleinen Zufluss der Wetter führt. Jenseits desselben hebt sich eine mässige Anhöhe mit ziem- lich steilen Abfällen nach drei Seiten, kenntlich durch eine weithin sichtbare, einsame Linde, welche aus dem Ackerland herauswächst. Es ist dies die Altenburg, auf welcher der hoch- verdiente Erforscher der Limes-Kastelle, Kofler aus Darmstadt, 1893 die zum Teil vorzüglich erhaltenen Grundmauern eines rõmischen Kastrums blosslegte. An Flächeninhalt stand es dem berühmten Taunuskastell der Saalburg wenig nach, nur hatte es andere Längen- und Breitenverhältnisse; auch zeigte es in- sofern eine Abnormität, als das Süd- und Ostthor Doppelthore waren. An der Römerstrasse, welche vom ersteren nach Süden ins Dekumatenland führte, wurden zahlreiche Gräber mit Urnen und sonstigem Inhalt aufgedeckt. Leider mussten die Reste der Bauten und Anlagen, welche Theodor Mommsen bei der Besichtigung den schönsten und am besten erhaltenen aller bis jetzt in Deutschland aufgedeckten Kastelle des Limes bei- zählte, aus wirtschaftlichen Rücksichten wieder zugeworfen werden; durch die Bemühungen des Oberhessischen Geschiehts- vereins ist es gelungen, einige charakteristische Reste, die Nord- ostecke der Umfassungsmauer und die porta principalis dertra blossgelegt und der Besichtigung zugänglich zu erhalten. Mitten im Lager nun, auf den Fundamenten des Prätoriums, legte Kofler die Grundmauern einer romanischen Kirche frei, deren Altar an der Stelle stand, wo jetzt die alte Linde dem Boden entwächst. Es waren dies die Spuren der ursprünglichen Kloster- anlage der Benediktiner, welche Konrad von Arnsburg 1151 gründete, die sein Schn Kuno aber nach 32 jährigem Bestehen wegen Entartung des Ordens aufhob, um statt ihrer an der Stelle seiner Stammburg an der Wetter 1174 die Cisterzienserabtei Aensburg zu stiften, nachdem er seinen Sitz nach dem benachbarten Schloss Münzenberg verlegt hatte. Das Kloster gewann bald unter der rührigen Leitung des Ordens, der damals in starkem Aufstreben begriffen war, grosse Bedeutung; mehrere Klöster waren der Auf- sicht der Abtei unterstellt, zahlreiche Pfarrkirchen der Nachbar- schaft nebst ihren Filialen dem Kloster einverleibt. Im Verhält- nis dazu wuchs sein Besitzstand in überraschender Weise; es er- warb Güter in der nähern und weitern Umgebung, und noch jetzt bezeugen die Bezeichnungen Arnsburger Hof, Arnsburger Strasse in Friedberg, Wetzlar, Frankfurt und verschiedenen anderen Orten die weitreichenden Verbindungen des Klosters. Dass es ihm gelang, seinen Besitzstand durch die Jahrhunderte selbst aus den Unbilden des dreissigjährigen und siebenjährigen Krieges zu retten, zeigen die noch jetzt vorhandenen bedeutenden Baulichkeiten, welche allen Epochen angehören. Als aber der Reichsdeputationshauptschluss