60 Giessen, Friedhof, Liebigshöhe, Philosophenwald.
seits der freundlichen Anlagen der frei und beherrschend ge- legene Friedhof der Stadt, welcher ihr schon 370 Jahre als Ruheplatz ihrer Toten dient. Infolgedessen ist derselbe viel- fach erweitert worden und enthält manche interessante alte Grabsteine. Unter den neueren Denkmälern heben sich hervor das Gailsche Familiengrab an der Mauer gegenüber dem Ein- gangsthor, ausgeführt nach dem Entwurf des Geh. Baurats Professor v. Pitgen, und das im Entwurf noch bedeutendere Grabdenkmal der Familie Mahla(von Schaper, Berlin) auf einem der höchsten Teile des Friedhofs(Neuer Friedhof, am Rodberg, Marburgerstrasse, s. S. 52).
Hinter dem Friedhof treffen wir zwischen der Licherstrasse und dem alten Steinbacher Weg abermals auf städtische An⸗ lagen, innerhalb deren zwei Gedächtnisbäume stehen, die Luthereiche, gepflanzt am 300 jährigen Gedächtnistag der Re- formation, am 31. Oktober 1817, und die Schillereiche zur Er- innerung an den 100 jähr. Geburtstag des Dichters. Von beiden hat man eine schöne Aussicht über Stadt und Thal. Hinter den- selben liegt der Niederdruckbehälter der städtischen Quell- wasserleitung, welcher zum Teil vom Annaberg her, zum Teil von Grossen-Buseck(Queckborn) aus gespeist wird. Kreuzen wir hier die Licherstrasse, so gelangen wir in ein Lärchen- wäldchen, hinter dem sich die mächtigen, weithin sichtbaren Bauten der im Herbst 1887 eröffneten neuen Kaserne erheben. Der zu derselben gehörige nahe Exerzierplatz, der Tyrieb ge- nannt, wurde seinerzeit von Kaiser Friedrich als der schönste Deutschlands bezeichnet.
An der Kaserne vorüber trifft man wieder auf die Grün- bergerstrasse, von der aus man zwei beliebte Ausflugspunkte mit leichter Mühe erreichen kann. Nach der Liebighöhe, einem am Rande des Trieb gelegenen einfachen Wirtshause mit Garten, welches gern von Familien besucht wird, zweigt der Weg bei der Wirtschaft von Duill, Grünbergerstrasse 89, links ab und führt in wenigen Minuten hin. Hier liegen auch die Versuchs- felder, die seiner Zeit dem Professor Liebig von der Stadt Giessen zur Verfügung gestellt wurden, um seine Entdeckungen praktisch zu erproben. Nach dem Philosophenwald kann man bei dem Corpshause der Teutonen, Grünbergerstrasse 77 von der Chaussee abgehen, um dann den ersten oder zweiten Weg rechts einzuschlagen. Der Philosophenwald, ein Ausläufer des im Süden von Giessen sich erstreckenden grossen Wiesecker Waldes, der seinen Namen schon seit Gründung der Universität führt, hat schöne Anlagen und Spaziergänge, sowie eine gute Wirtschaft. Der viereckige Wall neben derselben erinnert an die Besetzung durch die Pranzosen, welche von hier aus die preussische Armee auf der gegenüberliegenden Lahnseite be- obachteten.


