Giessen, Lage und Geschichte. 51
Restaurant Royal, Seltersweg 68. Giessener Rudergesellschaft, Lokal: Seltersweg 13.
Giessen, Hauptstadt der zum Grossherzogtum Hessen- Darmstadt gehörigen Provinz Oberhessen, 25 543 Einw., darunter 22 000 Protestanten, ist Sitz des Provinzialdirektors, eines Kreis- amts, eines Landgerichts, eines Amtsgerichts, Garnison des Grossherzogl. hessischen Infanterieregiments II6(Inhaber Kaiser Wilhelm II.). Ferner befinden sich hier ein Hauptsteueramt, zwei Eisenbahn-Betriebs-Inspektionen, eine Eisenbahn-Verkehrs- Inspektion, eine Eisenbahn- Maschinen- Inspektion, zwei Ober- förstereien und verschiedene andere Behörden, an Unterrichts- anstalten die Universität mit den dazu gehörigen akademischen Anstalten, die namentlich für die medizinische Fakultät vor- zügliche Anlagen und Einrichtungen aufweisen, ein Gross- herzogl. Gymnasium, ein Grossherzogl. Realgymnasium mit Real- schule, höhere Mädehenschule, die Alicenschule für Weiterbildung junger Mädchen u. s. w.
Giessens Ursprung führt zurück auf eine Burganlage. Sie wurde gegründet von der Gräfin Clementine von Gleiberg im Jahre 1130 zum Schutz des 1 Std. südlich von Giessen gelegenen Augustiner-Klosters Schifenberg. Sie war eine Wasserburg, daher ihr Name ze den Gizin, und ihre Sicherheit beruhte auf ihrer Lage zwischen Lahn und Wieseck, die unmittelbar abwärts mündet, und auf dem damals an dieser Stelle durchaus sumpfigen Charakter des Lahnthals. Durch die Wiesech war die Burg getrennt von dem viel älteren Dorfe Selters, welches als Saltarissa schon zur Zeit Karls des Grossen in einer Urkunde des Klosters Lorsch vom Jahre 775 erwähnt wird, und dessen Gedächtnis fortlebt in dem Namen der schon mehrfach erwähnten Hauptstrasse der Stadt, des Seltersweges und dem südlichen Stadtteil, Seltersberg. Von dieser ältesten Burganlage ist kaum etwas erhalten; nur der Name der Burggasse und die Bezeichnung einiger alter Häuser hinter der Studtkirche als„Burgmannenhäuser“ erinnern an dieselbe. Später entstand eine neue Burg auf dem Kanaleiberg und Brand, die in ihren Umrissen mit dem Burgfried noch erhalten ist. An diese neue Anlage schliesst sich allmählich eine Stadt, die 1265 durch Landgraf Heinrich I., das Kind genannt, mit Hessen vereinigt wurde. Starken Zuwachs erhielt dieselbe im Anfang des 14. Jahr- hunterts während der Fehde mit Nassau, in der die Umgegend von Giessen schwer heimgesucht wurde und viele Bewohner der Umgegend sich nach der Stadt zogen und vor derselben anbauten. So entstanden die Neustadt nach der Lahn hin, ebenso die An- bauten vor der Selterspforte und der Wallpforte. Manche Ort- schaften der Umgegend verschwanden in den zahlreichen Fehden des Jahrhunderts vom Erdboden, unter andern das nahe der Baden- burg gelegene Dorf Achstadt, welches 1375 zum letztenmal ur-
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