Marburgs Geschichte. 29
für weibliche Handarbeiten, sowie verschiedene Knaben- und Mädchen-Pensionate.
Marburgs Lage und Aufbau ist dadurch gegeben, dass der Schlossberg vom Westen her schroff gegen die Lahn vorstösst und sie zwingt, einen Bogen nach Osten zu beschreiben, wäh- rend von dieser Seite die Berge ebenfalls, wenn auch allmäh- licher abfallend, dem Flusse unmittelbar nahetreten. Da dieser sich gerade hier verschiedentlich teilt und mehrere Inseln bildet, so war es für die Herren des Schlossbergs leicht, das]Thal zu sperren und von der schwer angreif- baren Höhe herab das obere wie un- tere Thalgelände sowie den Thalweg zu beherrschen.
Die erste Er- wähnung des Schlos- ses als Burgsitz fällt in das erste Drittel des12. Jahrhunderts, wo in einer undatier- ten Urkunde des thüringischen Gra-.A. v. W. Riase Marburg. fen Ludwigs III. Marburg und Lahn. ein Burgmann des- selben, Ludwig von Marburg, als Zeuge vorkommt. Doch war die Burganlage jedenfalls bedeutend älter. Von der Hofstadt am Fusse des Berges, dem Wirtschaftshofe der auf der Höhe gelegenen Burg(der Name hat sich bis jetzt erhalten) ist vermutlich der Ursprung der Stadt ausgegangen, indem sich von hier die Siedelung um den Berg zog und durch Zuzügler aus der Umgegend, die den Schutz der Burg suchten, allmählich den verfügbaren spärlichen Raum am Abhange und am Fusse des Berges ausfüllte. Noch jetzt bilden die engen und steilen Gassen der Altstadt einen seltsamen Gegen- satz zu den weit vorgeschobenen modernen Stadtteilen abwärts und jenseits des Flusses. Helleres Licht fällt auf Burg und Stadt, als Elisabeth von Thüringen, deren Gemahl Landgraf Ludwig IT. bei der Abfahrt nach dem heiligen Lande im welschen Hafen der Pest zum Opfer gefallen war, hier im Jahre 1229 ihren Wittwen- sitz suchte, nachdem sie durch ihren Schwager Heinrich Raspe von der Wartburg vertrieben worden. Den Anschauungen der Zeit entsprechend suchte sie die Sünden des geliebten Mannes durch Werke der Nächstenliebe und der Askese zu sühnen und wurde ein Opfer ihres harten und unerbittlichen Beichtvaters, des Domi- nikanermönchs Konrad, der von Marburg aus allenthalben im


