Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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26 Amöneburg.

da hier die Toten der benachbarten Gemeinden begraben wer- den. Von der Marienruhe hat man ebenfalls eine herrliche Fernsicht. Man kann auch durch den Wald von Mellnau auf den Christenberg gehen.

Unterhalb der Station Sarnau überschreitet die Bahn den Fluss. 35 km Station Kölbe, wo sich die Strecke Marburg- Creuzthal von der nach Kassel führenden Hauptlinie der Main- Weserbahn trennt. 2 km oberhalb Kölbe nimmt die Lahn

die entschiedene

Richtung nach Süden, die sie bis Giessen behält, undnimmt Kölbe gegenüber von links her die Ohm auf, welche hier das Gebirge durchbricht, um die Gewässer der nordwestlichen Abhänge des Vo- gelsberges dem m. A. v. W. Risse Marburs. Hauptflusse Zzu-

Kirchhain. zuführen.

Von Kölbe lässt sich am leichtesten ein Besuch der Amöneburg aus- führen. Man benützt die Main-Weserbahn bis zur Station Kirchhain, Kreisstadt, 2017 Einw.(Bahnhotel Mosebach), 11 km, geht vom Bahnhof durch die Stadt und verfolgt die über die Ohmlrücke gerade nach Süden führende Strasse, welche in 45 Min. hinführt. Das Städtchen Amöneburg (= Burg an der Amana, Ohm), 729 Einw., Gastwirtschaft Ruez, liegt auf einem 363 m hohen, aus dem fruchtbaren Ohmthale aufsteigenden Basaltfelsen, welcher nach Osten steil abfällt. Bonifacius gründete hier 732 ein Kloster, nachdem er 10 Jaher früher die Herren des Berges, die Brüder Detik und Deorulf, sowie eine grosse Menge Volkes für das Christentum ge- wonnen und bei der Lindauer Kapelle, am Wege nach Kirch- hain gelegen, getauft hatte. Anfangs des 12. Jahrhunderts ging das Kloster, von dem noch Ruinen vorhanden sind, ein; später bauten die Erzbischäfe von Mainz auf dem beherrschend gelegenen und schwer angreifbaren Berge eine Burg, die besonders für Hessen lange Zeit eine stets drohende Gefahr bildete. Im dreissigjährigen Kriege wurde Burg und Stadt nebst Kirche und Chorherrenstift von den Schweden genommen und zerstört. Nach der Säkularisierung des Erzbistums Mainz im Jahre 1802 kam Amöneburg an Hessen.