Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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Lahnhof-Laasphe. 15

des Elsebaches, durch dessen Zufuhr die Lahn schon zu einem kräftigen Wasserlauf erstarkt, beginnt das Thal sich wieder zu schliessen, die Berge erscheinen höher und sind schön be- waldet. Nach 25 Min. Bermershausen, nach weiteren 20 Min. Sassmannshausen. Die Haltestelle liegt 5 Min. oberhalb des Ortes; am Eingange desselben zweigt sich nach N. die Post- strasse über Leimstruth nach Berleburg ins Ederthal ab, die vor Eröffnung der Bahn stark befahren wurde. Das Dörfchen, wunderhübsch gelegen zwischen tannen- und buchengekrönten Höhen(Gastwirtschaft H. Müller, Pension 3 4 Mk., auf 6 Per- sonen eingerichtet) ist bemerkenswert durch seine Zigeuner- kolonie.

Geht man der genannten Gastwirtschaft gegenüber zum Flusse hinunter, so trifft man auf einen von mangelhaftem Holzstacket umfriedeten Raum, in welchem eng zusammengepfercht 9 Hütten stehen, jede vielleicht so gross, wie ein gewöhnlicher Eisenbahn- wagen, nur eine trägt einen Oberstock. In diesen hausen die Zigeuner, etwa 50 an der Zahl, von denen aber nur wenige mehr reines Blut haben, da sie sich vielfach mit den sogenannten Meckes, den herumziehenden Gesellen des Sieger und Wittgen- steiner Landes vermischt haben. Auch ihre alte Sprache ist ihnen verloren gegangen. Indessen haben sie noch manches von ihrer Eigenart erhalten, augenscheinlich, weil sie eine von den übrigen Bewohnern streng abgeschlossene Genossenschaft bilden, welche nicht zur Dorfgemeinde, sondern zum Schloss Wittgenstein gehört. Ein Graf von Wittgenstein hat sie gegen Ende des 18. Jahr- hunderts als Kolonie Sassmannshausen angesiedelt, um sich ihrer als Boten, Spassmacher, vielleicht auch als Spione zu bedienen. Dem Fürsten liegt noch jetzt die Verpflichtung auf, die Alten und Erwerbsunfähigen zu unterstützen, eine Last, die ihn monatlich 70 bis 80 Mk. kostet. Wenn die Zigeuner auch von den übrigen Bewohnern nicht gerade gern gesehen werden und insbesondere streng darauf gehalten wird, dass sie ausserhalb ihrer Umzüunung keinen Grundbesitz erwerben, so ist doch das Urteil über sie ein nicht gerade ungünstiges. Man lobt sie als verhältnismässig rein- lich und nicht diebisch, nur seien sie von ziemlich hitzigem Tem- perament, so dass man sie, wenn sie angetrunken seien, vorsichtig behandeln müsse. Die Männer arbeiten meist im Forst und in der Wiese, während die Frauen zum Teil mit Kleinkram herum- ziehen.

Die Chaussee von Sassmannshausen nach Laasphe, 1 ½¼ Std., führt an verschiedenen Eisengiessereien und Hoch- öfen vorbei, von denen die an der Mündung des Bdnfebaches gelegene Friedrichshütte die bemerkenswerteste ist. Lohnen- der ist der bequeme, durch schönen Wald führende Weg über Schloss Wittgenstein. Man verfolgt die Chaussee nach Laasphe