Der Wanderer an der Lahn.
U Fels zum Thale hin grüsset Hochragend der Bergfried und frei, Durch grünende Wiesen ffiesset
Leis' rauschend der Strom vorbei;
Die Bergesränder umreihen
Die Wälder in schimmernder Pracht, Geweckt von dem Kusse des Maien Blaublümlein im Thale erwacht.
Hell jauchzet des Wanderers Stimme Vom Berg durch den dämmernden Forst; Sie schrecket das Reh in den Gründen, Sie scheuchet den Falken vom Horst. Weit über das Waldthal hebt sich Hochtürmig des Domes Gebäu;
Er spiegelt sein Bild in den Wellen
Und nickt ihm und winkt ihn herbei.
Und rings über Wälder und Hügel Und Städtchen und Gotteshaus, Da breitet die Abendsonne
Still webend ihr Goldnetz aus. Und lockend im Abendwinde Raunt leise der Fluss ihm zu: „Komm zu mir Wandergeselle! Hier unten findest du Ruh'.“
Gern folgt er den werbenden Lauten Und tritt aus dem Walde heraus, Steigt nieder auf dunkelndem Pfade Zum Städtchen, zum wohnlichen Haus. Ein Mägdlein kredenzt ihm den Becher Hold lächelnd; er setzet ihn an
Und grüsst, ein stets durstiger Zecher, Das gastliche Wirtshaus zur Lahn.
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