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Giessen - Universität und Provinzialhauptstadt : mit einem Stadtplan und einem Liegeplan der Universitäts-Gebäude / Hrsg. von Verkehrs-Verein Giessen
Entstehung
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SIAMDTTHEAIE.

Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns. In goldenen Buchstaben kündet diese Inschrift über dem aupt- portal des neuen Stadttheaters dem Vorübergehenden, daß das stattliche Gebäude in der Südanlage der Opferwilligkeit Gießener Bürger seine Entstehung verdankt. Den ersten Grund- stock für das anschnliche Baukapital bildete die Stiftung dreier Bürger im Betrage von 130 000 Mark, die im November 190⁰4 erfolgte. Weitere Mittel flossen aus allen Ständen und Be- rufskreisen so reichlich, daß innerhalb kurzer Zeit von unge- fähr 600 Stiftern etwa 400 000 Mark gezeichnet wurden. Nun konnte der Bau im Winter 1005/06 begonnen und so gefördert werden, daß die Einweihung im Sommer 1907, kurz vor der Feier des 300 jährigen Bestehens der Landesuniversität, statt- fand. Die Gesamtkosten des prächtigen Bauwerks, das 800 Sitzplätze enthält, betragen ungefähr 600 000 Mark.

Die vier Spielzeiten, die seit der Eröffnung des Theaters verstrichen sind, haben den Beweis erbracht, daß die künstle- rische Leitung eifrigst bestrebt ist, nicht in ununterbrochener Eolge die neuesten französischen Lustspiele aufführen zu lassen, sondern auch die deutschen Klassiker in mustergültig abge- rundeten Vorstellungen zur Aufführung zu bringen Der letzte Winter brachte z. B. ausgezeichnete ungekürzte Darstellungen des Faust I. Teil in 2 Abenden. Ein vorzüglich geschultes Per- sonal steht der Leitung des Theaters zur Verfügung, da dieselbe Truppe im Winter noch in Marburg, im Sommer noch in Bad Nauheim und Bad Ems spielt. Durch diese Vereinigung ist es auch möglich geworden, Operettenvorstellungen in den Kreis der Darbietungen zu zichen. Überraschend gut ist die Bühnenausstattung der Aufführungen, oft von hohem künstleri- schem Reiz. Die Vorstellungen werden nicht nur aus Gießsen, sondern auch aus der weiteren Umgebung stets auf das eifrigste besucht. Dadurch ist bewirkt worden, daß in dem Gießener Theater wöchentlich mindestens 56 Vorstellungen stattfinden, was für eine Stadt von der Größe Gießens von besonderer Bedeutung ist.

Ein Theaterverein, dessen Agitation die Erbauung des Theaters in erster Linie zu danken ist, sorgt stetig dafür, auch fremde Gäste heranzuziehen, und steht der Leitung des Stadttheaters beratend zur Seite. Er hat es sich seit der Ein-