GlIESSEIN.
ießen ist die Hauptstadt der provin⸗ Ober. 8 hessen und Sitz der Landesuniversität des Groß- herzogtums Hessen.
An der Spitze der staatlichen Behörden steht ein Provin- zialdirektor, dem zahlreiche technische und Verwaltungsbeamte beigegeben sind. Die Polizei steht unter staatlicher Leitung. An justizbehörden sind ein Landgericht, ein Amtsgericht, ein Ortsgericht, Kaufmanns- und Gewerbegericht vorhanden. Da- neben befinden sich in Gießen drei Oberförstereien, die forst- liche Versuchsanstalt für das Großherzogtum Hessen, ein Haupt- steueramt, drei staatliche Bauämter, Eichamt usw. Die Stadt hat zwei Postämter, ein Telegraphenamt, eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle, eine Bezirkssparkasse und sonstige größere Bankinstitute, so eine Gewerbebank, wie Filialen der Bank für Handel und Industrie, der Mitteldeutschen Kreditbank und andere. Zwei Betriebsinspektionen, eine Maschineninspek- tion, sowie eine Verkehrsinspektion sind in ihr domiziliert.
In rastlosen Industriebetrieben, besonders in Tabak- und Cigarrenfabriken, Eisengießereien, Maschinenwerkstätten, Brauereien, Spinnereien, Tonwerken und Dampfziegeleien, wie auch bergbaulichen Anlagen sind Tausende fleißiger Hände be- schäftigt. Lebhafter Handel wird getrieben in Vieh, Getreide, Mehl, Wein und Kolonialwaren. Bedeutsame Pferde- und Vieh- märkte werden in Gießen abgehalten, die von weither beschickt werden.
Freie Plätze, Häuser mit Vorgärten und bepflanzte Alleen geben Gießen den Charakter einer Gartenstadt. Sie wird von Lahn und Wieseck durchflossen und von einem Wasserleitungs- netz, das vortreffliches Quellwasser aus dem Vogelsberg liefert, durchzogen. Ein Gas- und ein Elektrizitätswerk versorgen die Stadt mit Licht; die Kanalisation und Neupflasterung der Stadt ist durchgeführt. Die Stadt hat sich überhaupt alle die Er- rungenschaften modernen Städtewesens zu nutze gemacht.


