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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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1887 612 Juden. 1927= 943 Juden

1890 720 Juden 19. 6.1933= 855 Juden

1896 750 Juden 5. 8.1938= 364 Juden

1903= 875 Juden 17. 5.1939= 259 Juden

1905= 913 Juden 1. 2.1941= 190 Juden

1910= 1035 Juden 1. 9.1942= 141 Juden u. 9 Juden 1925= 1017 Juden Wieseck

1.12.1942 14 Juden(54)

Neubeginn und Ausblick

Die Geschichte der Juden in Gießen endet erfreulicherweise nicht mit der Katastrophe des Holocaust und die durch das Naziregime herbei- geführte Endlösung!.

Nach dem 2. Weltkrieg sind wieder Juden in Gießen ansässig gewor- den. Es handelte sich allerdings fast ausnahmslos nicht um Angehörige des früheren deutschen Judentums, sondern es sind in ihrer großen Mehrzahl UÜberlebende des Unrechtssystems, die oft jahrelang versteckt waren oder die Schrecknisse der Konzent rationslager überlebt hatten. Vielfach waren es die einzigen Glieder einer ehemals großen Familie, die nicht ermordet wurden.

In den Wirrnissen der unmittelbaren Nachkriegszeit schwankte die Zahl derjenigen Juden begreiflicherweise sehr stark, die Gießen- wenn auch oft nur zeitweilig- zu ihrem Wohnsitz machten. In einer unmit- telbar nach Kriegsende aufgestellten Liste der Personen, die von der Betreuungsstelle für ehemalige politische Häftlinge im Stadtkreis Gie- ſen unterstützt wurden, finden sich 31 urassisch Verfolgte; darunter waren aber viele sogenannte Zigeunermischlinge, die ja in der Nazi- zeit ähnlich schlimmen Verfolgungen ausgesetzt waren wie die Juden. Am 22.11.1945 berichtet Ludwig Stern, der Leiter der Betreuungsstel- le für Juden(55), nach Rücksprache mit dem Rabbiner Dr. Neuhaus in Frankfurt, man sei der Meinung, daß z.Zt. keine Notwendigkeit be- stehe, eine neue israelitische Religionsgemeinschaft in Giesen aufle- ben zu lassen, denn es seien nur noch 5 jüdische Personen in Gießen wohnhaft. In einem Schreiben der Jüdischen Gemeinde in Marburg vom 13.7.1955 werden 18 Juden in Gießen namentlich aufgeführt.

Als im Frühjahr 1963 in Gießen eine Gesellschaft für christlich- jüdische Zusammenarbeit gegründet wurde, fiel es schwer, einen jüdi- schen Mitbürger zu finden, der bereit war, in den Vorstand einzutre- ten. Schließlich konnte der Kaufmann Eliezer Nahary dafür gewonnen werden. Als er bald darauf Gießen verließ, schloß der aus dem Exil zurückgekehrte Josef Brumlik die Lücke, der einzige frühere Gießener Jude, der sich hier wieder niederließ(56).

Als Josef Brumlik, der sich auch im politischen Leben seiner Vater

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