6 Mio ermordeten Juden, die 120.000 umgebrachten Kranken und Be- hinderten, davon allein 15.000 in Hadamar, die Millionen von Vertrie- benen und auch die 5.100 vollstreckten Todesurteile von Freislers Volksgerichtshof, und was auch immer im individuellen privaten Be- reich betrauert werden muß und kann, das Eingangstor für diese Vor- gänge war der 30. Januar 1933. Dieser Tag ist auch deswegen zu be- trauern, weil das ausgeblieben ist, was in der Anfangsphase vielleicht noch die 12jährige Gewaltherrschaft hätte verhindern können, nämlich der gemeinsame Aufbruch der großen gesellschaftlichen Kräfte, der Gewerkschaften, der demokratischen Parteien, der geistigen Führungs- schichten an den Universitäten, der Kirchen und auch der Reichswehr. Die möglicherweise doch Trauernden sollten sich allerdings am 8. Mai auch damit auseinandersetzen, was gekommen wäre, wenn Hitler die-— sen Krieg gewonnen hätte.
Ich muß zu diesem Thema einen kurzen Absatz aus der heutigen Frankfurter Rundschau zitieren, weil ich ihn besser auch nicht formu— lieren kann:“Das Regime des Hasses und der Brutalität hätte seine Aggression auf immer neue Völker und Gruppen ausgedehnt. In dem Zuchthaus Europa- Deutschland wäre statt nur einer Minderheit bis 1945 dann auch die Mehrheit des Herrenvolkes individuell zu Verbre- chern geworden. Die Natur des Regimes hätte sie dazu gezwungen. Das Ende der europäischen Zivilisation wäre dagewesen.“
Meine Damen und Herren, ich habe in dieser historischen Rückschau versucht, Hintergründe aufzuzeigen, die zu der verhängnisvollen deut- schen Geschichte in der jüngsten Vergangenheit geführt haben.
Ich überlasse es meinen kritischen Zuhörern, die notwendigen Lehren aus der Geschichte in dem eingangs erwähnten Sinne zu ziehen.
330


