Persönlichkeiten der Wirtschaft. Hier darf ich noch einmal an Emil Kirdorf erinnern, den Mann, der den Ruhrschatz zu verwalten hatte, der bereits 1929 als Ehrengast auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP auftrat und der nachweislich die NSDAP von 1930 bis 1933 mit mindestens 600.000,-- Mark unterstützt hat, und diese Unterstüt- zung brachte in dieser Situation für die NSDAP, die damals politisch durch die November-Wahl und finanziell äußerst in Bedrängnis geraten war, Hilfe und Rettung im letzten Moment. Dies konnte gelingen, nachdem man die sozialistisch eingestellten Kreise der Partei unter Gregor Strasser kaltgestellt hatte. Die Stimmengewinne der Kommuni- sten hatten ebenso übrigens wie die Stimmenverluste der Nazis bereits kurz nach der Wahl vom 6.11.1932 zu einer schriftlichen Eingabe von 25 Industriellen, Bankiers und Großagrariern bei Hindenburg geführt, er möge doch nunmehr unverzüglich Hitler zum Reichskanzler ernen- nen. Zu den Unterzeichnern zählten Hjalmar Schacht, Fritz Thyssen, der schon 1923 das Braune Haus in München finarziert hatte, und Al- bert Vögler. Zu ihnen zählte aber auch der Kölner Bankier Freiherr Kurt von Schröder, in dessen Wohnung am 4. Jan. 1933 in einer denk- würdigen Unterredung mit den Führern der Nazi-Partei die Weichen für die Regierungsübergabe an Hitler gestellt wurden.
In entwaffnender Offenbeit hat Schröder selbst eidesstattlich ausge- sagt, daß das gemeinsame Interesse der deutschen Wirtschaft und in der wachsenden Angst vor dem Sozialismus darin bestehe, eine bestän- dige politische und wirtschaftliche Ordnung unter der Führung Hitlers berzustellen, weil man bei seinen wirtschaftlichen Vorstellungen fest Cavon überzeugt sei, daß die Neuorganisation der gesamten Wirtschaft auf dem Führerprinzip vorgenommen würde, die Arbeiterparteien und die Gewerkschaften verboten werden und mit der Aufrüstung größere Staatsaufträge zu erwarten seien.
Damit hatten sich die Führungsschichten der Wirtschaft weitgehend mit Interessen und Zielen der Nazi-Partei identifiziert. In einem bei- spiellosen Intrigenspiel unter der Regie des früheren Reichskanzlers und späteren Vizekanzlers Franz von Papen gelang es dann schließlich, die von NMilitärs, Deutsch-Naticnalen und Monarchisten durchsetzte Kamarilla um Hindenburg so zu beeinflussen, daß sie den greisen, po- litisch unselbständigen, 86jährigen Reichspräsidenten veranlaßte, Hit- lers Ernennung zum Reichskanzler zu unterschreiben.
Damit begann eine 12jährige totalitäre Diktatur mit all ihren Schrecknissen, von der wir, Europa und die Welt am 8. Mai 1945, und darüber kann kein Zweifel bestehen, von außen befreit worden sind.
Wer dieses Datum, dessen 40. Wiederkehr wir hier begehen, als Tag der Trauer ansieht, dem muß gesagt werden, daß für all das, was er subjektiv durchaus mit Recht betrauern mag, die 55 Mio Toten in al- ler Welt, die 600.000 getöteten Zivilpersonen in Deutschland, die
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