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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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führt wurden und 1752 zum Abschluß kamen. Für 19000 Gulden, zahl- bar in 5 Zielen(= Raten), kauft Wieseck den einen Teil des Baden- burger Besitzes, der ca. 70 Morgen Ackerland, 17 Morgen Wiesen und Weiden, 18 Morgen Wald und 3 Morgen Gärten umfaßte.

Wieseck zahlte den größten Teil dieses Geldes schnell und pünktlich; es hatte ja 1752 zusätzlich 5000 Gulden für den Verkauf seines An- teils an der Altenstruth an Alten-Buseck eingenommen. Dann aller- dings brachten die Lasten des 7jährigen Krieges(1756- 1763), der dem Raum Gießen tiefe Wunden schlug und seine Spuren(Schanzen zu beiden Seiten der Lahn, linker Hand: Philosophenwald und Allendorfer Wäldchen, rechter Hand: Atzbacher Wald, Krofdorfer Forst, Wetten- berg) hinterlassen hat, die Gemeinde Wieseck in Zahlungsschwierigkei- ten, so daß wir noch bis zum Ende der 70er Jahre von Streitigkeiten wegen dieses Verkaufs hören. Andererseits wird uns schon von 1764 berichtet, daß Gefälle(= Abgaben) aus dem Badenburger Gut an den Bürgermeister von Wieseck abgeliefert werden.

Mit dem ÜUbergang dieses Teils des Besitzes Badenburg dürfte auch die eigenständige Gemarkung- im Volksmund noch heute ‧Boarre- marku genannt-, die noch Mitte des 18. Jh. auf Karten deutlich zu sehen ist, aufgegeben worden sein. Ein deutlicher Hinweis darauf, daß Wieseck nun auch die Gemarkungsrechte übernommen hatte, ist jeden- falls der rechts- und verwaltungsgeschichtlich bedeutsame Streit zwi- schen den Gemeinden Wißmar und Wieseck aus dem Jahre 1772 um einen rd. 40 Morgen großen, von Wißmar und den Herren der Baden- burg bis dahin gemeinsam betriebenen Koppelhutbezirk Nim Biegen, einer großen Lahnschleife in der Nähe der Wißmarer Brücke. Dieser Weidebezirk geht vielleicht auf das Adelsgut Klettenberg(auch Klet- tenburg) zurück, das 1352 zuletzt urkundlich genannt wird und das von einer großen Wasserflut zerstört worden sein soll. Der Flurname ist dort bis heute erhalten.

Die Badenburg selbst mit einem großen Teil der dazu gehörigen Rech-

te und Gefälle blieb landgräfliches Lehen der letzten Glieder der Fa-

milie v. Weitolshausen gen. Schrautenbach. In einer Beschreibung aus der 2. Hälfte des 18. Jh. wird dieser Teil des Badenburger Gutes so beschrieben:

12 Ein sehr geräumiges Steinernes Haus, 3 Scheunen, ein langer pferdestall, Brauhaus und Hofhaus samt seinem Lustgarten und unter dem großen Haus treffliche Keller.

2. Acker und Wiesen: 259 Morgen, 54 Ruthen, 6 Schuh.

3. Medum zu Wieseck(= Zins von geordnetem Land) 21 Achtel Korn und Hafer.

4. Gefälle zu Gießen ongefer 6 fl

5. Zins zu Lollar und Wißmar 5 fl

6. Zins zu Wallernhausen(bei Nidda) 5 fl

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