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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Uber zwei Jahrhunderte blieben die v. Weitolshausen genannt Schrau- tenbach Herren auf der Badenburg und waren während dieser Zeit meist enge Gefolgsleute der Landgrafen von Hessen-Darmstadt, so z. B. als deren hohe Beamte in Gießen. Außer der Badenburg und ihrer kleinen Gemarkung hatten sie zahlreichen Streubesitz und andere Rechte, in der Mehrzahl im Raum Gießen. Im 17. Jh. lebten auf der Badenburg ständig mehrere Familien von Hofmännern, Förstern, Mül lern mit Knechten und Mägden, ja sogar ein Präzeptor(= Schulmei- ster) ist überliefert. In der burgeigenen Kapelle wurde auch geheira- tet. Einen gewissen Höhepunkt erlebte die Badenburg unter dem als General bekannt gewordenen Ludwig Balthasar v. Weitolshausen gen. Schrautenbach, der von 1655 bis 1738 lebte. Er konnte von sich im Jahre 1729 sagen:

Dieses bin ich(im Kreis seiner Ahnentafel) Ludwig Balthasar, naty die 17. Juni 1655, der, so Gott will, noch lebende General-Lieutnant und habe ab 1708 als senior familia für mich und im Namen meiner damals noch lebenden Vettern aus denen neben Linien, Georg Ludwig Wilhelm, Ernst Gottfried Balthasar und Hans Eberharden die Lehnen (= Lehen) Empfang, meiner so Gott will, noch Lebende.

Die Besitzteilung, von der wir hier erfahren, muß schon gegen Ende des 17. oder zu Beginn des 18. Jh. vorgenommen worden sein. Es ist seit dieser Zeit von zwei Wohngebäuden die Rede, von denen das eine wohl die Burg selbst, das andere ein Hof mit dazu gehöriger Mühle am Lahnufer gewesen war.

Aber wie oft im Leben einem Aufschwung der tiefe Absturz folgt, so kommt es auch auf der Badenburg nach dem Tod des"Generals zu einem schnellen Niedergang, an dem besonders die schlechte Hofhal- tung und Mißwirtschaft des Junkers Ernst Gottfried Balthasar(s.o.) schuld trug. In kurzer Zeit zerstörte er selbst seinen Anteil am ge- meinsamen Burgsitz, ließ vieles, was irgendeinen Wert hatte, abbre- chen und verkaufte sogar Fenster, Türen und Fußböden, so daß die Mauerreste und leeren Fensterhöhlen, die heute das Bild der Baden- burg bestimmen, keiner kriegerischen Einwirkung entstammen. Eine Reisebeschreibung aus dem Jahre 1740 berichtet noch von der unzer- störten Burg:"inwendig mit den herrlichsten Malereien, so verschiede- ne Feldschlachten vorstellen. Aber Poppels berühmter Stahlstich(ca. 1840) zeigt uns annähernd den heutigen Anblick der Ruine, und wir dürfen annehmen, daß sie seit der Mitte des 18. Jh. langsam weiter verfiel.

Bereits gegen Ende der 40er Jahre begannen Verkaufsverhandlungen über das Badenburger Hofgut mit der Gemeinde Wieseck, die von der Witwe des oben genannten Ernst Gottfried Balthasar Schrautenbach, Juliane Dorothea, einer geb. v. Wrede(Tochter des Obristen v. Wrede, der in Klein-Linden einen Herrenhof, die sogen."Burgu, hatte) ge-

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