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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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einandersetzungen zwischen den Besitzern der Badenburg und der Stadt Gießen um die Festsetzung der Grenze und den gegenseitigen Vieh- trieb. In diesen Verhandlungen wurde ausdrücklich auf die Wiesecker und Lollarer Rechte Rücksicht genommen- uden von Lollar und Wiss- ke, ob die alten gespruche durch scheide oder vertrege darüber heit- ten- d.h. die Grenzvereinbarungen zwischen Gießen und Badenburg durften vorhandene ältere Rechte nicht beschneiden, was auch auf ei- ne jüngere Herausbildung der Gemarkung Badenburg hindeutet.

Inzwischen hatten sich die Besitzverhältnisse an der Badenburg verän- dert. Diederich von Weitershausen gen. Badenburg, der letzte Lehens- träger dieses Zweiges, bat um die Mitte des 15. IJh. den hessischen Landgrafen Ludwig I., den Gerhard v. Buseck gen. Rüsser(seinen Schwiegersohn) mit der Hälfte der Badenburg zu belehnen. Zu diesem Lehen gehörte außer der Badenburg auch ein Burglehen zu Gießen, bestehend aus 8 fl Gefälle(= Zins) in Gießen und Wieseck. Frühe verwandtschaftliche Bindungen zwischen denen v. Weitershausen und denen v. Buseck bestanden schon seit dem 13. Ih.; ebenso eng waren die Beziehungen zur Burg Gießen, denn in dem- leider verlorenen Zinsregister der Stadt Gießen von 1495 wurde überliefert, daß ein Craft v. Weitershausen(aus der Marburger Familie) und sein Ver wandter Craft v. Badenburg in Gießen eines der Burgmannenhäuser besitzen.

Nur wenige Jahrzehnte dürften die v. Buseck gen. Rüsser Alleinbesit- zer der Badenburg gewesen sein. Diese Linie der Busecker Adelsfami- lie starb 1575 aus, doch schon lange vor diesem Zeitpunkt begegnen uns die v. Weitolshausen gen. Schrautenbach auf der Badenburg. Der herausragende Vertreter dieser Familie war Balthasar Schrautenbach, seit 1490 als Rentmeister zu Gießen in hessischen Diensten. 1506 ist er Bevollmächtigter des Landgrafen in dessen Verhandlungen mit dem Stift St. Stephan zu Mainz, und in Anerkennung seiner Verdienste fin det er 1508 Aufnahme unter die Gießener Burgmannen, was bedeute te, daß er nun sozial dem Adel gleichgestellt war. In den nächsten Jahren ist er eine der stärksten Stützen des unmündigen Landgrafen Philipp und seiner Mutter, der Landgräfin Anna, in ihrem Kampf ge gen die hessischen Landstände. Um 1515 nimmt er den Namen v. Weitolshausen gen. Schrautenbach an.

Als geadelter Beamter(was in jener Zeit selten vorkam) war er einer der bedeutendsten Politiker in der kleinen Grafschaft Hessen-Darm- stadt während der ersten Hälfte des 16. Jh. Amtmann im Oberamt Gießen, also höchster Repräsentant des Landgrafen in dieser Stadt, ist er von 1510 bis zu seinem Tod im Mai 1529. Noch zu seinen Lebzei- ten, zwischen 1526 und 1529, erhielt die Familie auch das Lehen über die Badenburg, denn schon zwischen 1532 und 1536 werden die Schrautenbachs als Besitzer der Badenburg genannt.

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