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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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DIE BADENBURG

Aufsatz aus: Erwin Knauß:"zwischen Kirche und Pforte 775- 1975- 1200 Jahre Wieseck, Gießen-Wieseck 1975

Die Badenburg gehörte von 1752 bis zur Eingemeindung in die Stadt Gießen(1939) zur Gemarkung Wiesecks. Dies ist Grund genug, der Geschichte dieser Burg einen besonderen Abschnitt zu widmen.

Zwischen Gießen und Lollar dehnten sich bis in die Zeit des späten Mittelalters auf der östlichen Lahnseite die Gemarkungen zweier Sied- lungen aus: Achstatt und Didolshausen. Während Achstatt, dessen Dorfstelle auf der westlichen Seite des Rodtbergs zwischen Main-We- ser-Bahn und Lahn lag, wohl schon im 13. Jh. von der wachsenden Stadt Gießen aufgesogen wurde, dürfte Didolshausen noch bis zum Be ginn des 14. Jh. bestanden haben. Sein Siedelplatz lag am Verwer- fungsrand zwischen älterer und jüngerer Talterrasse in rd. 175 m- he etwa da, wo sich die alte Landstraße nach Kassel und der Weg von Wieseck zur Badenburg kreuzen.

Im Jahre 1323 bekannten Rudolf von Didolshausen und seine Frau Eli sabeth, beide Bürger zu Gießen, daß sie die Güter des Klosters Wir berg im Dorf Didulfryshusen in Erbleihe hätten. Dies bezeugt, daß das sicher kleine Dorf in jener Zeit bereits in Auflösung begriffen war und seine ehemaligen Bewohner wohl den Schutz der nahe gelege- nen Stadt Gießen gesucht hatten.

Ebenfalls aus dem Jahre 1323 berichtet uns eine Urkunde, daß der Ritter Bernard v. Göns sein festes Haus nebst einem Hof im Dorf Dyduldishusen von Hartrad v. Merenberg zu Lehen trug, nachdem er es bereits vorher vom Landgrafen v. Hessen erhalten hatte.

Zwei Jahre später bezeugte besagter Ritter Bernard v. Göns von sei- nem Herrn Hartrad v. Merenberg neun Morgen Land,"die gelegen sint vor dem Wysker Walde, zu Lehen zu haben.

Im selben Jahr verlieh Hartrad v. Merenberg weitere 30 Morgen"im Wiesecker Wald an der Stelle, die bei der Struth genannt wirdu, an Gerhard v. Göns zu Erbburglehen auf Gleiberg. Mit ustruth ist die sog. Förderstruth gemeint, ein ausgedehnter Koppelhutbezirk mit gemeinsamen Weide- und Holzrechten, der sich zwischen der Baden- burg, dem Lollarer Kopf, dem Hangelstein und der an anderer Stelle beschriebenen Markgenossenschaft der Altenstruth erstreckte. Zu Be- ginn des 16. Jh. sind außer Gießen, Lollar und Wieseck auch die Be- sitzer der Badenburg als Teilhaber der"Förderstruth überliefert.

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