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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Doch bleiben wir zunächst noch bei den erwähnten Belehnungen des 14. Jh., denn sie stehen zweifelsfrei in einem Zusammenhang mit dem Badinberg, der zuerst in einem Lehensrevers(= Lehensbestätigung, Verpflichtungserklärung) vom 29.6.1356 des Ritters Johann v. Weiters- hausen an den Grafen Johann v. Nassau urkundlich erscheint. Darin heißt es u. a.:

ulch, Jochann v. Weitershausen, Wepener(= Ritter), bekenne..., daß ich an dem Reyn an deme Badinberge geyn Wysemar gelegen..sal und mag ich und myne erben darauf buwen eyn Gaden und wonunge... Auch sal daz Gaden und wonunge, adir waz darof den vorgenanten Reye von mir und mynen erben gebuwe wirt, offen syn mynen Herrn Greben Johann(von Nassau).

Nach dem Aussterben der Merenberger im Mannesstamme sind deren Rechte und Besitzungen- so auch der Gleiberg- im Jahre 1328 an die Grafen v. Nassau übergegangen.

Zwei Jahre nach der Ersterwähnung, im Jahre 1358, hören wir dann von den hessischen Rechten an der Badenburg. Landgraf Heinrich II., der Eiserne, belehnt den Johann v. Weitershausen und seine Söhne mit der Wohnung auf dem Badenberge samt einem Vorwerk und 5 Huben Landes.

Beide Lehensherren, die Grafen v. Nassau und die Landgrafen v. Hes- sen, behalten sich vor, daß das belehnte Haus(Gaden und Wohnung) ihnen jederzeit offen stehen müsse.

Die gemeinsamen lehensrechtlichen Ansprüche von Hessen und Nassau auf die Badenburg machen deutlich, daß in einem Teil des alten Wie- secker Waldes noch Merenberger Rechte aus der Gleiberger Erbschaft neben denen der hessischen Landgrafen bestanden.

Die als erste genannten Lehensträger, die v. Weitershausen, waren Gefolgsleute der hessischen Landgrafen Heinrich II. und Hermann II. im Sternerkrieg gegen den nordhessischen Landadel. Auch zu Nassau bestanden enge Verbindungen, die u. a. im kirchlichen Bereich sichtbar werden, denn der Pfarrer von Wißmar hielt bis zum 30jährigen Krieg in der Badenburger Kapelle den Gottesdienst.

Es liegt auf Grund dieser Zusammenhänge nahe, anzunehmen, daß für die Badenburg und ihre Besitzer schon im frühen 14. Jh. eine eigene Gemarkung gebildet wurde. Sie bestand aus besonderen, den Grafen v. Nassau und den hessischen Landgrafen gemeinsam zustehenden Bezir- ken des Wiesecker Waldes und wahrscheinlich Teilen der um diese Zeit aufgegebenen Feldmark von Didolshausen. Wir hören von dieser Bademarku erstmals 1526, als der damalige Landgraf Philipp der Großmütige hier Streitigkeiten um Viehtrift, Hute, Gestreusel und Gehölzu zwischen Lollar, Wißmar, Wieseck und der Badenburg schlich- ten mußte. In den Jahren 1532- 1536 kam es zu gerichtlichen Aus-

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