secker Vereinsgemeinschaft, d.h. im weitesten Sinne von seiner ge— samten Einwohnerschaft, denn fast aus jeder Familie ist jemand Mit-— glied in einem der zahlreichen örtlichen Vereine. Mögen dabei auch die ersten Anstöße und Impulse aus der alten dörflichen Substanz stammen, die Neu-Wiesecker aus nah und fern haben sich zugesellt und tätig Anteil genommen. So gesehen, könnten wir optimistisch sein und brauchten uns um Wiesecks Zukmunft nicht zu sorgen.
Und dennoch! Seien wir vorsichtig mit Prognosen in dieser Richtung. So großartig dieses Jubiläum im Rückgriff auf Geschichte und Tradi- tion auch gefeiert und gestaltet wurde, es ist kein Garant für die Bewahrung des ursprünglichen Ortscharakters und einer lebenswerten Umwelt. Gelegenheit, ein Fest zu feiern, wird sich immer finden las— sen, dazu bedarf es nicht des Rückgriffs auf die Vergangenheit. Die alteingesessenen Wiesecker werden mir zustimmen, wenn ich meine, daß es einen wesentlichen Unterschied macht, ob die Kirmes, dieses auf altem Herkommen beruhende und aus gesunder Lebensfreude be— gangene Kirchweihfest, von einer aktiven Burschenschaft getragen oder aber von einer rührigen Getränkeindustrie organisiert wird; ebenso werden sich viele am vergangenen Sonntag mit Wehmut an die Höl-— zernbornfeste vergangener Zeiten erinnert und dabei die Hoffnung ge-— nährt haben, dies möge ein neuer, schöner Anfang gewesen sein, der die verflachten und von geschäftstüchtigen Bierverkäufern bestimmten Treffen der letzten Jahre vergessen läßt.
Ich glaube, wir spüren bei diesen Gedanken alle ein wenig die Gefahr, daß auch ein so traditionsreicher Ort wie Wieseck sehr schnell sein Gesicht und seinen Charakter verändern oder verlieren kann und zur seelenlosen Schlafstadt wird. Wenn wir dies bei aller besinnlichen und gefühlsgeladenen Rückschau auf die 1200jährige Vergangenheit nicht übersehen, haben wir uns den Blick frei gehalten für die Zukunft, in die wir gemeinsam gehen.
Wie aber geht es weiter? Wo liegen die Aufgaben? Was ist zu tun? Nun, ich bin fast am Schluß meiner Ausführungen angekommen und kann schon aus diesem Grunde nicht die ganze Fülle der Probleme und Aufgaben vor Ihnen ausbreiten, die wir alle sehen und anpacken müs-— sen, wenn unser Gemeinwesen human und lebensfähig bleiben soll. Ich beschränke mich auf einige wenige Denkanstöße und Anregungen zum Handeln.
Vorrangig scheint es mir, den MNenschen unserer Tage die Gefahren sichtbar zu machen, wie durch architektonische Maßlosigkeit und öko— nomische Profitgier das Bild unserer Städte zerstört wird, Ihnen ins Bewußtsein zu heben, wie lebensbedrohend die Anbetung der Technik, die Vorherrschaft des Konsums und die durch Hochhaus-Wohnmaschi-— nen bedingte Auflösung zwischenmenschlicher Beziehungen sind. Gleichzeitig ist der Sinn für die Erhaltung historischer Substanz zu
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