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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Im Jahre 1899 kauft er die Archivalien der Bäcker- und Metzgerin- nung für das Stadtarchiv(Preis bleibt ungenannt).

An anderer Stelle heißt es in den Archivakten, daß die im Besitz des Gastwirts Grün, Neustadt, befindliche Zunftlade der in der 60er Jah- ren aufgelösten Metzgerzunft und gewisse noch vorhandene Zunftakten am 12. Okt. 1898 von Adolf Möhl an Dr. Ebel für das Stadtarchiv übergeben wurden; am 25. Dez. 1898 übergibt dann auch die Bäcker- zunft ihre letzten Bestände(Rechnungen von 1507- 1863) dem Ar- chiv.

Ab 1. November 1898 wurde die Arbeitszeit Dr. Ebels im Stadtarchiv von wöchentlich drei auf zwei Nachmittage und seine Vergütung von 1 200.- auf 800.- Mark herabgesetzt. Es darf angenommen werden, daß Ebel selbst um diese Arbeitsentlastung gebeten hatte, da er in- zwischen in der Bibliothek fest angestellt worden war und die Ord- nungsarbeiten wohl auch gut vorangekommen waren.

Jedenfalls wird uns überliefert, daß Ebel nach Aufforderung durch den Stadtrat am 12. April 1900 erneut über seine Arbeiten im Stadtarchiv berichtete und dabei in Aussicht stellte, daß die Ordnungsarbeiten bis zum 1. Oktober 1900 fertiggestellt sein würden. In demselben Bericht klagt Ebel über die Schwierigkeiten in der Ordnung der Abt. XV (Gemeindeangelegenheiten), vor allem auch deswegen, weil er immer wieder Akten und Einzelvorgänge aussortieren und woanders einordnen müsse. Auch der Raummangel machte ihm schon damals zu schaffen; es ist also- mindestens in bezug auf Archive- nichts Neues. Er ver- spricht ferner, ein Repertorium anzulegen. Am 25. September 1900 dankt er der Stadt für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wur- de und stellt eine Benutzungsordnung in Aussicht. Ab 1. Oktober 1900 wird ihm die Verwaltung des Archivs gegen eine Vergütung von jähr- lich 500.- Mark übertragen.

Uber seine im Stadtarchiv bis dahin geleistete Arbeit hat Ebel in dem bereits erwähnten Aufsatz(MOHG 7. Bd./1898) kurz berichtet. Danach waren vorhanden: 62 Pergamenturkunden(1325- 1726), ca. 130- 150 starke Aktenfaszikel, mehrere Hundert Rechnungsbücher(16.- 18. Jh.), eine Anzahl Gerichtsprotokollbücher, deren älteste in die letzte Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückreichen. In einer Antwort auf eine Anfrage des Kreisamts vom 9. März 1904 nennt Ebel dieselben Archi- valien, dazu noch 2 Salbücher von 1628 und 1629 und mehrere Bücher (?) aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Hier handelt es sich wahr- scheinlich um Kontraktenprotokolle, Steuerregister, Bürgerlisten und Ratsprotokolle.

Diese kursorischen Hinweise deuten darauf hin, daß Ebel seinen ur- sprünglichen Plan, ein Repertorium zu erstellen oder Genaueres über den Inhalt der Akten(a.a. O., S. 100) aufzuzeichnen, nicht verwirklicht hat. Ein solches Verzeichnis ist auch bisher nicht aufgefunden worden.

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