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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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DAS GlIESSENER STADTARCHIV GESCHICHTE UND GEGENWART

Aufsatz aus: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Neue Folge, 60. Band, Gießen 1975

1. Vorbemerkungen

Es sind nun 10 Jahre vergangen, seit der Magistrat der Universitäts- stadt mir die Betreuung der städtischen Archivbestände übertragen hat. Nach einem Jahrzehnt nebenberuflicher Tätigkeit, die sich meist nicht in den 3- 4 wöchentlichen(Ppflichtstunden erschöpfte, scheint es geboten, über die geleistete Arbeit Rechenschaft zu geben. Zu schnellebig ist unsere Zeit geworden, so daß schon personelle oder räumliche Veränderungen, wie sie jederzeit eintreten können, wichtige Entwicklungen und Vorgänge vergessen lassen und damit der Nachwelt vorenthalten bleiben.

Vor genau 75 Jahren hat Karl Ebel, der verdienstvolle Historiker und spätere Direktor der Universitäts-Bibliothek, im 7. Bd. der"Mitteilun- gen des Oberhessischen Geschichtsvereins neuer Folge(S. 99 ff.) ei- ne erste kursorische UÜbersicht über die Bestände des Gießener Stadt- archivs veröffentlicht und ist dabei vor allem auf die damals vorhan- denen 61 Pergamenturkunden ausführlich eingegangen. Seine Absicht (a. a. O., S. 100), weitere Einzelheiten über die Bestände des Archivs nach deren Ordnung folgen zu lassen, hat er leider nicht verwirklicht. In einer vorläufigen Mitteilung' über das Zinsregister der Stadt Gie- ßen aus dem Jahre 1495(a. a. O., S. 210 f.) lautet sein letzter Satz: ..., immerhin wird das Buch eine Lücke in der an Quellen so armen Geschichte unserer Vaterstadt auszufüllen geeignet sein. Wir hoffen, mit dem Abdrucke dieses Buches bald beginnen zu können. Leider ist auch das nicht realisiert worden, doppelt bedauerlich, weil das er- wähnte Zinsregister nicht mehr vorhanden ist. Arbeitsüberlastung und Krankheiten mögen der Grund dafür gewesen sein, daß Karl Ebel, der bis zu seinem Tode im Jahre 1933 für das Stadtarchiv verantwortlich war, diese Veröffentlichungen nicht zu Papier brachte und kein Be- standsverzeichnis erstellte. Auch über seine Arbeitsmethoden hat er uns selbst so gut wie nichts überliefert. Leben und Werk Karl Ebels sind zu bedeutend, um darüber zu rechten, was in seiner 36jährigen Tätigkeit als Stadtarchivar! mehr hätte aufgezeichnet werden können.

Immerhin gab mir Ebels Versäumnis! den letzten Anstoß, sowohl die Archivgeschichte nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Quellen aufzuhellen, wie auch meine eigene bisherige Tätigkeit und Arbeits- methode darzustellen.

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