Das Jahr 1975 stellt aber noch in anderer Hinsicht einen Wendepunkt in der jüngsten Geschichte des Stadtarchivs und seiner äußeren Orga-— nisation dar. In Kürze können die neuen Räume im Kellergeschoß des für Stadt- und Landkreis Gießen gemeinsamen Gesundheitsamtes bezo— gen werden. Neben einem kleinen Büro wird vor allem das Benutzer- zimmer eine wesentliche Verbesserung gegenüber den bisherigen, sehr notdürftigen Verhältnissen sein. Außerdem kann in einem größeren Magazin eine Konzentration der wertvollen Archivalien erfolgen.
Wenn ich in den rd. 10 Jahren seit der verantwortlichen UÜbernahme der Archivbestände der Stadt Gießen eigentlich weiter gekommen bin, als ich mir das anfänglich vorstellte, so ist das vor allem zwei glück- lichen Umständen zuzuschreiben: Einmal hatte ich von Anfang an die tatkräftige Unterstützung aller städtischen Dienststellen. In allen An- gelegenheiten, die das Archiv betrafen, fand ich Verständnis und Hil-— fe, so daß auch schwierige Situationen glücklich gemeistert werden konnten. Ich erwähne hier nur beispielhaft die großzügige materielle Hilfe bei der Restaurierung von beschädigten Urkunden und Akten, die Ermöglichung von Sicherungsverfilmung wertvoller Archivalien, die lau- fende Erhöhung der Etatbeträge für das Mobiliar(Stahlschränke etc.) und die beträchtlichen Geldmittel für den Ausbau der Archivbücherei. Stellvertretend für viele andere seien hier genannt: Oberbürgermeister Schneider- ein ständiger Gast im Archiv-, die Bürgermeister Kötter und Dockhorn, der Kämmerer Oßwald, die Hauptamtsleiter Mank und Arnold, die Herren Ziemer und Schäfer vom Rechnungsamt, Richtberg und Luh vom Rechnungsprüfungsamt, die Kulturreferenten Bitsch und Ertel, die Amtsleiter Minke, Pfaff, Schau, Wallbott und Weishaupt, Nöhl und Fernhomberg, die Herren Goldmann, Rüspeler und Roesler sowie die Damen Roth und Staudinger.
Trotz aller materieller Hilfe aber wäre der derzeitige Stand nicht er- reicht worden ohne die selbstlose, gewissenhafte und fleißige Mitar- beit des pensionierten Obermedizinalrats Dr. Rath, der seit über 6 Jahren mir zur Seite steht und wesentlichen Anteil daran hat, daß sich die Archivbestände heute- gemessen an den dürftigen Unter- künften- in einem relativ guten Ordnungszustand befinden. Er hat vor allem mit der Erstellung der Karteien das Auffinden von Archivalien erleichtert.
2. Die Geschichte des Stadtarchivs bis 1964
Vier wichtige Daten markieren die älteste Geschichte der Stadt Gie-
ken:
Um 1150: Erste Ansiedlung im Wieseckdelta um die kleine Wasser- burg der Grafen v. Gleiberg
Um 1250: Stadtgründung(1. Erwähnung als Stadt 1248)
1264/65: Gießen wird Stützpunkt der Landgrafen v. Hessen
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