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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Die enge Verzahnung von Verein und Stadtarchiv blieb auch erhalten, nachdem sich am 22.11.1889 der Verein den Namen"Oberhessischer Geschichtsverein gab und seine Jahresberichte nunmehr Mitteilun- gen nannte. Zu dieser Zeit war der berühmte Archäologe und Kunst- historiker, der Restaurator von Wartburg und Gleiberg, Prof. Hugo v. Ritgen, Vorsitzender. Nach seinem Tod(1889) führten nacheinander Prof. v. d. Ropp, Prof. Höhlbaum, Bibliotheksdirektor Haupt und Prof. Buchner den Verein.

Die aus diesen Jahren erhalten gebliebenen städtischen Archivakten geben uns davon Kenntnis, daß der Oberhessische Geschichtsverein am 24.6.1893 an die Stadt herantritt, man möge hanläßlich der bevorste- henden Ubersiedlung des Stadtarchivs in neue geeignete Räume einer Bitte nach Neuordnung und Inventarisierung der Bestände nachkommen. Mitglieder des Vereins hätten unter Leitung von Prof. v. d. Ropp schon seit Jahren das Archiv durchforscht, aber zu einer Inventarisierung sei es nicht gekommen. So biete man nun an, daß Prof. Buchner, Prof. Höhlbaum und Oberbibliothekar Haupt helfen könnten. Auf diesen An- trag hin beschloß die städtische Finanzdeputation, zu Lasten des Bud- gets 1894/95 600.- Mark für die Ordnung des Archivs aufzuwenden. Es ist uns überliefert, daß der später mit der Leitung des Stadtarchivs betraute Dr. Ebel am 4.7.1893 mit der Ordnungsarbeit begann; er er- hielt für den Monat Juli/August 35.- Mark, später am 1.12.1893 noch einmal 40.- Mark, so daß von dem Betrag von 600.- Mark nur insge- samt 75.- Mark verbraucht wurden. Die Akten und Rechnungsbücher sowie die sonstigen Archivalien der Stadt lagerten bis zum März 1894 im Keller der alten Bürgermeisterei.

Kurze Zeit später wurden sie in ein Nebengebäude der alten Bürger- meisterei(Gartenstraße) gebracht, und Mitte März 1896 setzte Dr. Ebel, der inzwischen Kustos an der Universitäts-Bibliothek geworden war, die Inventarisierungsarbeit fort, die dann auch durch einen offi- ziellen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 10. Dez. 1896 unter Bereitstellung der notwendigen Sach- und Personalmittel abge- sichert wird. Im Etat 1895/96 werden für die Einrichtung des Stadtar- chivs 1200.- Mark bewilligt, und schon am 21.9.1895 meldet das Stadtbauamt, daß das 1Innere! des Archivs fertiggestellt ist. Im Haus- haltsjahr 1896/97 werden für Dr. Ebel 1200.- Mark vorgesehen. Am 31. Januar 1898 wird Dr. Ebel gebeten zu berichten, was er bisher im Archiv getan hat und was er im Etatjahr 1898/99 an Ordnungsarbeiten zu tun gedenkt.

An Einzelheiten über die Archivarbeit in diesen letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wird uns z. B. überliefert:

Zur Umhüllung alter Akten werden 115 blaue Mappen im Format 25 X 40 cm bewilligt und bei Buchbindermeister Sann angeschafft.

Am 2. August 1898 erwirbt Ebel einen Zunftbrief der Gießener Lei- neweber für 20.- Mark bei Kunsthändler Leib.

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