Druckschrift 
Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen

Menge von Urkunden und Akten vorgefunden hätte, daß er seine Ar- beit an der Geschichte von Gießen unterbrechen müsse und aus die- sem Material einen 2. Band des Urkundenbuches erstellen wolle. Er spricht in diesem Zusammenhang von der grenzenlosen Unordnung der städtischen Akten. Bei der Arbeit am Copialbuch! half ihm Adolf Hundeshagen, von dem am 3. November 1866 berichtet wird, daß er von der Stadt für 1032 Arbeitsstunden à 12 Kreuzer insgesamt 206 Gulden(fl) und 24 Kreuzer und für 204 1/2 beschriebene Bogen à 15 Kreuzer insgesamt 51 fl und 8 kr erhalten habe.

Während der 1. Band des Gießener Urkundenbuches(handgeschrieben) dem Gemeindevorstand am 30. 1.1866 mit chronologischem Verzeichnis, Register und Nachträgen vorgelegt werden konnte, wurde der 2. Band von Dr. Kraft am 29. November 1867 übergeben. Er umfaßte 256 Ur- kunden auf 1 614 Seiten. Auch der 3. Band wurde daraufhin in Arbeit genommen.

Dr. Kraft konnte leider nur den ersten Teil seiner Geschichte von Gießen(bis 1265) veröffentlichen. Er starb am 7.9.1874, wohl über dem zweiten Teil seiner Arbeit, denn in den Jahren 1876/77 wurde seitens der Stadt bei seinem Sohn angefragt, ob eine Fortsetzung des Werkes zu erwarten sei. Der Sohn wurde außerdem gebeten, das der Stadt gehörende Urkunden- und Aktenmaterial zurückzugeben und das eigene Material einer Person zur Verfügung zu stellen, die in der La ge sei, die Arbeit an der Geschichte von Gießen fortzusetzen. Auf ei- ne erneute Anfrage der Stadt hat der Sohn von Dr. Kraft endlich 1879 das nunmehr dreibändige Urkundenbuch der Stadt zurückgegeben.

Inzwischen war im Juni 1878 der"Oberhessische Verein für Lokalge- schichte neu gegründet worden. In seinem erstenJahresbericht, Gießen 1879, S. 10, lesen wir, daß den Beständen des Vereins ein neueres Manuskript von Dr. F. Kraft zur Verfügung gestellt wurde, das die Geschichte von Gießen und Umgebung für die Zeit von 1265 1328 umfaßt. Die vom Verein für die folgenden Jahre beabsichtigte Publikation dieser Arbeit ist nicht erfolgt, und auch das Manuskript blieb verschwunden.

Für die folgenden Jahre dürfen wir eine enge Verbindung des neuen Geschichtsvereins mit den städtischen Archivbeständen annehmen, was vor allem aus einem Schreiben des damaligen ersten Vorsitzenden, Prof. Dr. Gareis, hervorgeht, das am 26.11.1879 an die Stadt gerichtet wurde. Danach habe der Verein 350 Abschriften(teilweise Regesten) von auf die Stadt und ihre Geschichte bezogenen Urkunden unter dem Vorbehalt des Eigentums der Stadtgemeinde an diesen Copien in Verwahrung genommen und würde dieselben jedermann zugänglich in dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Raum im früheren Orts gericht im alten Rathaus!, dem Archivraum des Vereins, der For schung öffnen.

76