Chriſtliche Leichpredigt. 1
Darumb mein frommer Chriſt/ der du deines ewigen Heils Uſus
begierig biſt und weiſeſt/ daß allein den Liebhabern Gottes eine ſo groſſe unermeßliche Herꝛlichkeit im Himmel bereitet ſey/ erwecke und ermah⸗ ne dein Hert je lenger je mehr zu dieſer liebe/ damit du alſo mit gu⸗ tem froligen Gewiſſen dem brunſtigen Liebhaber Gottes/ dem frommen König David konneſt nachſprechen/ anß dem 13. Plalm⸗ Hertzlich lieb habe ich dich Herꝛ meine ſtercke: Herꝛ mein Fels/ mein Burg/ mein Erretter/ mein Gott/ mein Hort/ auff den ich trawe/ mein Schild und Horn meines Heils und mein Schut/ alsdan wirſtu dich auch koͤnnen verſichert halten/ du ſeyeſt mit zu rechnen unter das hãufflein/ welchem Gott/ das kein Auge geſehen/ kein Ohr gehoͤret und in keines Menſchen Hert gekommen iſt/ von ewigkeit hero auß Gnaden bereitet hat.
Nun nnter ſolche Liebhaber Gottes mag billig mit gezehlet wer⸗ den unſere in Chriſto verſtorbene ſelige Matron, der ich ihr Chriſten⸗ thumb und euſſerlichen Lebens wandel betreffend ſehr wohl/ ſo viel mir bewuſt iſt/ diß warhafftige zeugnus geben kan/ daß ſie nach der geſunden Lehr und bekantnus ihres Glaubens ein erbaulich exemplariſches Leben in haltung der Gebotten Gottes gefuͤhret und ein feines Muſter einer rechtſchaffenen Chriſtin geweſen ſey/ andaͤchtig und eyferig in ihrem Gottesdienſte/ mit fleiſſiger beſuchung der Predigten und offtma⸗ ligen ehrerbietigen gebrauch des H. Abendmals/ eines ſanften ſtillen Geiſtes/ ſehr modeſt und zůchtig/ ſo daß ſie den Nahmen Modeſta mit der that gehabt hat/ wie ſie dan auch mit langmuͤtigkeit und gedult viel hat koͤnnen ertragen/ und einem jeden mit ſonderlicher freundligkeit und beſcheidenheit wiſſen zu begegnen. In Summa ſie iſt geweſen ei⸗ ne rechte Tochter Sara, eine kluge Abigail⸗ eine Gottſelige Hanna⸗ eine demuͤtige Maria, ſo daß ſie billig ihrer ruͤmlichen tugenden und fri dfertigen ſizamen wandels wegen von männiglich iſt geliebet und geehret worden. Wiewohl ſie nun mit ſo hertlichen Qualitaͤten und gaben von dem lieben Gott iſt gezieret geweſen/ ſo hat ſie ſich deſſen doch nicht uͤberhaben/ noch darauff verlaſſen/ oder einige groͤſſere wuͤrdigkeit und vollkommenheit ihr vor andern eingebildet; ſondern als eine arme bußfertige Suͤnderin noch in ihrer letten Kranckheit ſich ſuͤr Gott dar⸗ Ser vielfaͤltige Menſchliche ſchwachheiten und fehltritte gern erkant/ offenhertig bekant und inniglich berenet zugleich aber auch durch ein inbrunſtig flehentliches Gebett umb gnaͤdige verzeihuͤng ihrer an⸗ hangenden und begangenen Suͤnden/ ihre zuflucht genommen zu der
unendliche n Barmhertigkeit Gottes in Sih Jeſu/ und theu⸗
exhor⸗ tato-
Appli- catio ad efun- am.


