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Die Goslarer Straßennamen : ein Beitrag zur städtischen Verfassungstopographie des Mittelalters und zur vergleichenden Straßennamensforschung ; mit einem Stadtplan / von Karl Frölich
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Die Feststellung des Verlaufs der Simelingstraße ist wichtig, da ein hier zu suchendes Haus jenseits der Simelingebrücke noch ge- gen Ende des 14. Jahrhunderts ausdrücklich dem Bezirk der Klei- nen Vogtei jenseits des Wassers zugewiesen wird und es damit er- möglicht, die Grenze der Kleinen Vogtei zweifelsfrei an der Abzucht festzulegen. Zuweilen greift die Bezeichnung Simelingestraße oder Simelingemühlenstraße allerdings auch noch auf die anstoßende Wortstraße über.

Für die Münster- oder Simelingestraße treffen wir ferner auf die Benennungen Burgstraße und Hans Vogedesstraße. Von ihnen ist namentlich die erste aufschlußreich, da sie auf das frühere Vor- handensein einer sonst nicht unmittelbar bezeugten Burganlage im Pfalzbezirk hindeutet. Der Name Hans Vogedesstraße hängt ähn- lich, wie es bei der Cord Vogedesstraße(Vogt-Konradstraße) der Fall ist, mit einem ehemaligen Reichs- oder Stadtvogt zusammen, der aber bei der Häufigkeit des Vornamens Hans nicht mit Sicher- heit bestimmt werden kann. Das Letztere gilt auch für den Vogt Konrad, nach dem die Vogt-Konradstraße benannt ist.

3. Der Marktundseine Umgebung.

Lenken wir nunmehr unser Augenmerk der Gegend des Mark- tes zu, in der später das Herz der ganzen Gründung ruhte, und die in ihrem Großteil kirchlich der Marktpfarrei zugeordnet war.

Die älteste Marktanlage Goslars bildete, wie schon erwähnt wurde, der nord-südlich ausgerichtete, also im Zuge der ursprüng- lichen Hauptachse des Stadtgrundrisses verlaufende Schuhhof. Auf seine Bedeutung für das Wirtschaftsleben der Stadt verweist der Umstand, daß sich an ihm und in seiner nächsten Umgebung die Mehrzahl der Kaufhallen und Marktstände der wichtigsten Ge- werbe, insbesondere der Nahrungsmittelgewerbe, befanden, die auf welchem Wege, ist nicht ohne weiteres ersichtlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts fast ausnahmslos in die Hand der gro- ßen kirchlichen Stiftungen der Stadt gelangt waren und die erst im Verfolg der Hallen- und Mühlenstreitigkeiten aus dem Jahre 1293 wenigstens zum Teil in bürgerlichen Besitz übergingen. An dem Schuhhof und in seiner Nähe lagen die meisten der vorhandenen Gildehäuser, und sind auch andere, für das Verfassungs- und Wirt- schaftsleben der Stadt wichtige Baulichkeiten anzutreffen. So zieht sich auf der Westseite des Schuhhofes die Vogtstraße hin, die nach dem hier erwähnten Hause des Vogtes, in dem auch Amtshandlun-