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Die Goslarer Straßennamen : ein Beitrag zur städtischen Verfassungstopographie des Mittelalters und zur vergleichenden Straßennamensforschung ; mit einem Stadtplan / von Karl Frölich
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2. Der Pfalzbezirk.

Der Pfalzbezirk wurde beherrscht von der königlichen Pfalz an der Stelle des heutigen Kaiserhauses, neben der sich rechts die Kirche Unserer Lieben Frauen am sog. Liebfrauenberge erhob, während die Ulrichskapelle links noch heute vorhanden ist. Auf dem Platz vor der Pfalz, dem späteren vorübergehend zu Kaiser- beet entstellten Kaiserbleek, lagen neben einer Anzahl von Domher- renkurien die Sitze mehrerer Rittergeschlechter, wie der Herren von Wildenstein(von Goslar), von Bilstein, von dem Dike, von Her- lingeberg, von Steinberg u. a.°°) Hierauf geht die Bezeichnung des Platzes oder eines Teiles desselben auch als Ritterplatz oder Ritter- plan zurück.

Wie schon berührt wurde, deckt sich der Pfalzbezirk im we- sentlichen mit dem Sprengel der dem Münster benachbarten und ihm unterstellten Thomaskirche. In den Steuerlisten des Jahres 1570, den sog. Schoßregistern, werden beispielsweise zu ihm ge- rechnet die Wasserstraße, die Straßen auf der Abzucht, nach dem Münster, nach dem Kramerturm, auf dem Kaysersbleke, Lieb- frauenberg, im Sacke und im Klapperhagen. In anderen Quellen begegnen noch die Straßenbezeichnungen im Winkel(in angulo), im Hanfsacke und im Heerwinkel, bei dem Vorwerk, auf dem Mün- sterkirchhof und auf dem Thomaskirchhof. In diesen Verhältnis- sen sind bis zur Aufhebung des Pfarrbezirks der Thomaskirche im Jahre 1803 nennenswerte Änderungen kaum eingetreten.

Von den aufgezählten Straßen tragen die Wasserstraße, die Straße auf der Abzucht(Abzuchtstraße), Kaiserblek, am Lieb- frauenberge, Heerwinkel und Klapperhagen ihre Namen bis zur Gegenwart. In einer Anzahl von Zügen verrät sich, daß die Umge- bung der Pfalz ursprünglich in deutlicher Sonderung dem Markt- gebiet gegenüber stand, so z. B. in den Straßenbezeichnungen im Sack undim Hanfsack sowie in den mit-hagen zusammengesetzten Namen, dem Klapperhagen und dem vielleicht ebenfalls hier zu suchenden Bedelerhagen. Der Sack führte von dem Münster in der Gegend des späteren Ratsvitriolhofes bis unter den Liebfrauenberg, an ihn stößt der Hanfsack an, bei dem die erste Silbe anscheinend von-hagen abzuleiten ist, beide sind an der Grenze des Pfalzbezirks endende Sackgassen. Der Name Sack ist heute durch die Straßen- bezeichnung ‚Im Heerwinkel abgelöst. Für sie vermag ich eine be- stimmte Erklärung nicht zu geben. Aber der AusdruckWinkel