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Die Goslarer Straßennamen : ein Beitrag zur städtischen Verfassungstopographie des Mittelalters und zur vergleichenden Straßennamensforschung ; mit einem Stadtplan / von Karl Frölich
Entstehung
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I

die sich in der Hauptsache an die nacheinander entstandenen Sied- lungskörper und ihre Eingliederung in die kirchliche Einteilung der Stadt anlehnt. Das schließt natürlich nicht aus, daß einzelne längere Straßen, insbesondere solche, die sich als alte, schon vor dem Aufkommen der Stadt vorhandene Wegezüge darstellen, nicht an die Kirchspielsgrenzen gebunden sind.

1. Das Bergdorf am Rammelsberge.

Nach der Zeitfolge geordnet beginnen wir mit dem Bergdorf am Rammelsberge.

Den räumlichen Mittelpunkt des Bergdorfes am Rammelsberge bildete der Dikhof, der feste Sitz des Geschlechtes von dem Dike. auf dem die Kirche St. Johannis stand, deren Patrone die Herren von dem Dike waren. Während die Örtlichkeit des Dikhofes ein- wandfrei durch die Mauerreste der Johanniskirche bestimmt wird, ist es bis jetzt nicht gelungen, über die Lage des Fischteiches, nach dem sich der Dikhof und seine Besitzer nannten, völlige Klarheit zu erzielen. W.Bornhardt verlegt ihn in die Umgebung des Juden- teiches, was den heutigen örtlichen Verhältnissen zweifellos am nächsten kommt. Aber es entfällt bei dieser Auffassung die An- nahme einer engen räumlichen Verbindung zwischen Fischteich und Dikhof, wie sie an sich der Sachlage entsprechen würde. Ich halte es deshalb nicht für ausgeschlossen, daß bei der Schaffung des gegenwärtigen Zustandes einschneidende Änderungen gegenüber früher erfolgt sind, ohne daß ich aber imstande wäre, ein zuverläs- siges Bild aus der Zeit vorher zu zeichnen.

Über das Straßennetz im Bergdorf wissen wir nur wenig. Es ist eine Herrenstraße(platea dominorum) dort bezeugt, an der 24 dem Domkapitel gehörige Hausstellen belegen waren, und es dürfte an- zunehmen sein, daß nach den Domherren, nicht nach den Mitglie- dern anderer, hier ansässiger Adelsgeschlechter oder Bergherren- familien, die Straße ihren Namen trägt. Weiter wird erwähnt eine Köhlerstraße und eine Grüne Straße(pl. viridis, Gronenstrate).

Ein näheres Eingehen auf diese Verhältnisse kann ich mir ver- sagen, da das, was sich darüber aus den Quellen entnehmen läßt, von W. Bornhardtin seiner schönen und ertragreichen Arbeit über die Flurnamen des Stadtkreises Goslar zusammengestellt und erläutert ist.