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Die Goslarer Straßennamen : ein Beitrag zur städtischen Verfassungstopographie des Mittelalters und zur vergleichenden Straßennamensforschung ; mit einem Stadtplan / von Karl Frölich
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ser und ihre zum Teil sehr eindrucksvollen Namen, soweit sie nicht in den Straßennamen fortleben. Bei ihnen rechtfertigt sich eben- falls eine Sonderuntersuchung, die nicht nur für die Erschließung der Grundbesitzverteilung, sondern auch für die verwickelte Ge- schichte des Goslarer Auflassungswesens, die noch nicht geschrie- ben ist, manche Aufschlüsse verspricht.

Ehe wir uns einer Betrachtung der einzelnen Straßenzüge und Straßennamen zuwenden, erscheint es erforderlich, eine allgemeine Schilderung über das Werden des Stadtgrundrisses von Goslar im Mittelalter vorauszuschicken, um damit einen Rahmen zu gewin- nen, in den sich die Erörterungen über die vorkommenden; Stra- Ben und ihre Bezeichnungen sachgemäß einpassen lassen.

II. Die' Entwicklung des Stadtgrundrisses von Goslar im Mittelalter.

In den Arbeiten zur Geschichte der deutschen Städte des Mittel- alters wird meist die Ansicht vertreten, daß der bei ihrer Gründung gewählte Stadtgrundriß auch in der Folge beibehalten sei, so daß trotz der häufigen und verheerenden Stadtbrände des Mittelalters und anderer äußerer Eingriffe das Straßennetz in der Regel ein- schneidende Änderungen bis zur Schwelle der Gegenwart nicht er- fahren habe. Aber mag das auch für gewöhnlich zutreffen, so gibt es doch Ausnahmen, gelegentlich sogar solche sehr kennzeich- nender Art. Zu diesen Ausnahmen gehört Goslar.

Wie wir wissen, hat hier die Entwicklung und zwar wahr- scheinlich mit dem Aufkommen des Bergbaus am Rammelsberge schon vor dem 10. Jahrhundert ihren Ausgang genommen von einer älteren bergmännischen Siedlung auf dem rechten Ufer der Gose am Fuße des Rammelsberges, dem Bergdorf, dessen Gotteshaus die vor einigen Jahrzehnten in ihren Grundmauern freigelegte Jo- hanniskirche, ursprünglich eine Martinskirche wohlnoch aus frän- kischer Zeit, war. Die Niederlassung war zunächst von der Pfalz Werla im Okertal abhängig, als deren am weitesten nach dem Ge- birge zu vorgeschobener Stützpunkt uns vor dem Aufblühen Goslars die Sudburg im Okertal in der Gegend des heutigen Okerturms am Sudmerberge entgegentritt. Im Zusammenhang mit dem Anwachsen des Ortes, mit der häufigen Anwesenheit der Kaiser und Könige in

_ Goslar, der Entstehung einer Marktanlage auf dem linken Goseufer und in räumlicher Trennung von dem Bergdorfe ist dann aber die Pfalz von Werla nach Goslar auf den Platz am heutigen Kaiserbleek verlegt. Sie ist seit dem Ende des 11. Jahrhunderts als der Mittelpunkt