129 Demgegenüber vertritt Neuburg!) die Ansicht, daß das Gericht vor dem Münster ein besonderes Berggericht sei, welches möglicher- weise zusammenfalle mit dem 1290 erwähnten judicium trans aquam. Das letztere ist zweifellos unrichtig, da das judieium trans aquam kein Berggericht, sondern das Gericht der kleinen Vogtei jenseits des Wassers ist?). Dagegen ist es sehr wohl möglich, daß das Gericht vor dem Münster und das eigentliche Berggericht am Rammelsberge ursprünglich völlig unabhängig von einander ge- wesen sind. Nach dem Inhalte des Vergleichs vom 14. IX. 1290 3) und nach einer Stelle der Urkunde vom 20. XII. 1306*) scheint es, als ob den Montanen und Silvanen eine autonome, auf gewisse mit dem Betriebe des Bergbaus zusammenhängende Fälle be- schränkte Korporationsgerichtsbarkeit zugestanden habe, die bei den Versammlungen im Paradies des Münsters und unter der Leitung der Sechsmannen als des Vorstandes der Genossenschaft geübt wurde und die sich namentlich auf die in den Artikeln 113 bis 115 des Bergrechts bezeichneten, gegen die Sicherheit des Bergbaus gerichteten Vergehungen erstreckte). Ausgeschlossen wäre es nicht, daß auch die in anderen Artikeln des Bergrechts‘) erwähnte Gerichtsbarkeit der Sechsmannen wenigstens teilweise mit dem Gerichte vor dem Münster in Verbindung zu bringen wäre. Einer sicheren Erkenntnis der in dieser Hinsicht vorliegenden Verhältnisse steht aber der Umstand entgegen, daß bei der Auf- zeichnung des Bergrechts die Sechsmannen sich schon im Besitze
) 8. 341, 345, 347, 348.
2) S. auch Bode H. Z. 1892 S. 347.
3) Hier wird(U.B. II 412) bestimmt:„Item tale jus, sieut silvani Jam sepedieti et montani habent, debent inter se discutere secundum placi- tum ipsorum et ordinare.“
#) In der Urkunde gehen die Berg- und Hüttenleute die nachstehende Verpflichtung ein:„Quisquis etiam temerario vel presumptuoso ausu in- cedens aliquod delietum seu excessum fecerit in dieta ecelesia vel intra septa sua, ad hoc nos debemus cooperari efficaciter et volumus, in quantum poss- umus, et in quantum nostra jurisdictio se extendit, ut talis male- factor, quieumque fuerit, predietis dominis et prediete ecclesie pro tali suo delieto emendam debitam faciet et condignam.“
5) Ebenso anscheinend Meyer, Hereyn. Archiv S. 196. S. auch oben S. 118, S. 121 Anm. 5.
SO Nel zB. Art. 139, 141, 196.
Frölich, Gerichtsverfassung von Goslar 9


