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Kritische Beiträge zur Lehre von der Strafrechtsschuld / von Dr. W. Mittermaier, Professor der Rechte
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wahrscheinlich an, und doch hängt seine Seele fest an dieser Tat. Wer daher nach der Intensität oder Festigkeit der Vorstellungen Schuldgrade unterscheidet, begeht einen großen Fehler.

Erst der Wert, den ich den Vorstellungen meiner Kausalität für meine Bestrebungen beilege, zeigt ihre Beziehung zu meinem Ich an: erst wenn ich eine vorgestellte Kausalität bil- lige, wird sie mir zur Schuld zugerechnet. Das ist doch der einfache, nüchterne Sinn, der in all den vielen, einfachen und kom- plizierten Konstruktionen des dolus steckt. Dabei ist es wieder ganz einerlei, ob ich den rechtswidrigen Erfolg mir als sicher, wahrscheinlich oder nur möglich vorstelle. Nur darauf, ob ich ıhn billige, kommt es an. Das ist aber vorerst etwas ganz abstraktes. Erst die Art des Billigens bestimmt die Art und die Intensität der Beziehung zur Seele: ich billige den Erfolg(die Fälschung, den Meineid), weil ich ohne ihn nicht aus einer verzweifelten Lage komme, wenn er mir auch noch so unangenehm, meiner Psyche an sich fremd ist; einem anderen bereitet der gleiche Erfolg ein Vergnügen. Von Billigen eines Erfolges kann man reden, wenn man ihn erstrebt, oder als notwendig oder sehr wahrscheinlich mit einem erstrebten Ziel verbunden erkennt. Sieht aber jemand einen Erfolg seiner gewollten Tätigkeit nur als möglich an, ohne gerade ihn zu erstreben, dann kann das ja nur der Fall sein, wenn dieser Erfolg mit einem anderen erstrebten Erfolg verbunden gedacht wird. Hier gibt es kein inneres Kriterium, wie bei den zwei anderen Fällen, für die Entscheidung, ob er den Erfolg billigte oder nicht. Und doch muß es auf dieses Billigen ankommen, wenn wir eine Beziehung zur Seele des Täters herstellen wollen. Es muß da sein, positiv, bei der Vorstellung des Erfolges, nicht erst nachträglich, nicht bloß bedingt. Der Jäger, der den Treiber nahe der Schußlinie sieht, sagt sich von vornherein: Die Verletzung des Treibers ist meinem Streben(den Bock zu erlegen) adäquat. In diesem Satz steckt gar nichts bedingtes. Das Billigen kann auch hier ein sehr verschiedenartiges sein, intensiv, mit Lust- oder Un- lustgefühl verbunden.

Ich glaube, niemand wird dem Ergebnis bis hierher ausweichen können: eine psychische Beziehung und damit eine Schuld ist in all diesen Fällen des Billigens abstrakt vorhanden; ihre konkrete

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