meinen Auffassung, von der die ganze Kritik ausging(dolus— Wollen), haften blieb.
Wenn man das formale Wesen der Schuld klarstellen und zer- gliedern will, dann muß man daran festhalten, daß sie in einer ethisch bewerteten Beziehung der Seele zur Tat besteht. Man muß also die Elemente dieser Beziehung heraussuchen und auf ihre Be- deutung prüfen. Danach kann möglicherweise eine Abstufung der Schuld eintreten. Aber das interessiert hier noch nicht. Hier fragt sich nur, ob wir nach der Verschiedenheit der Elemente der Be- zıehung der Seele zur Tat wesentlich verschiedene Schuldformen begründen können oder müssen.
Als die Elemente der Schuld werden von den Schriftstellern ge- nannt: Vorstellen,— Wollen,—- Billigen. Die Vorstel- lung bezieht sich auf die von dem Täter ausgehende Kausalität: natürlich kann es sich nur um solche Vorstellungen handeln. Nur für eine solche Tat kann die uns strafrechtlich interessierende Beziehung der Seele in Betracht kommen. Die Vorstellung kann ihr Träger nun billigen oder nicht billigen; im zweiten Fall ist sie ihm gleich- gültig oder positiv unangenehm.— Billigen heißt: eine Vor- stellung als den Strebungen des Ich adäquat empfinden. Es ist keineswegs notwendig, daß sich hiermit ein Lustgefühl verbindet. Man kann den Tod des schmerzgequälten Freundes billigen und tieftraurig darüber sein, man billigt sehr ungern den Verlust eines Vermögensstückes, ohne dessen Hingabe keine Rettung aus der Not möglich ist. Das Billigen kann sich auch auf fremde Taten be- ziehen. Wollen ist nach meiner Ueberzeugung nur das Er- streben eines vorgestellten Erfolges. In jedem Wollen steckt ein Billigen. Ohne Zweck will ich nicht; den als nötig vorgestellten Er- folg meines Tuns will ich nicht, wenn er nur der an sich gleich- gültige Durchgangspunkt zur Erreichung des bezweckten Erfolges ist, aber ich billige ıhn. Vielleicht kann ich mein Wollen zunächst auf ihn richten, um dann von dem ersten Erfolg aus zum weiteren vorzudringen. Der Inhalt des Wollens ist also nur ein be- stimmter Zweckerfolg. Zu sagen, der Täter ‚wolle‘ alles, was sicher, wahrscheinlich oder gar nur möglicherweise auf dem Wege seiner Kausalität liege, widerspricht ebenso der psychologischen Erfah- rung, wie der Satz, der Täter„wolle“ sogar das Verursachte, dessen


