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Theorie man sich zuwendet; ich selbst halte beide für einseitig, muß aber doch die Willenstheorie für die richtigere erklären!).
Wenn man die Frage erörtert, wie die Schuld auf den Willen zurückzuführen ist, dann kommt man ohne weiteres auf die F'rage, ob man nicht hierbei verschiedene Arten der psychologischen Be- ziehung in der Tat anerkennen muß. Das heißt, wir müssen fragen, wie sich dolus und culpa unterscheiden, aber auch, ob nicht etwa an- dere Unterscheidungen richtiger sind. Solche tauchen immer wıeder auf, ohne daß sie durchdringen können. Wenn wir aber an der alten Zweiteilung festhalten, hat das etwa seinen Grund darin, daß wir uns daran gewöhnt haben, oder darin, daß wir sie für die allein richtige oder die am wenigsten schlechte halten? Oder glauben wir, daß die nötige Individualisierung des Falles besser auf andere Weise als durch Unterscheidung formalistisch gebildeter Schuld- arten geschehe? Ich halte das letzte für das richtige.“Unsere Schuldzweiteilung ist berechtigt; wir benötigen sie zur psychologi- schen Individualisierung der Fälle. Aber sie bietet nur die Grund- lage, auf der sich die eingehende normative Würdigung der Tat ganz selbständig und nach eigenen Gesichtspunkten aufbaut. Diese Untersuchung der Schwere der Schuld, ihre Zurückführung auf Charakter und Motive kann nicht mit der nach der formalen Unter- scheidung der Schuldarten zusammenfallen.—
Wenn man mehrfach eine Dreiteilung der Schuldarten versucht hat, so ist das ein Beweis dafür, daß man wohl die verschiedene Gestaltung der Fälle herausfand. Aber wenn uns dies auch eine Mah- nung zur Vorsicht sein muß, werden wir doch erkennen, daß die zur Dreiteilung führende Kritik nicht bis zu Ende kam, daß es ıhr nicht gelang, das maßgebende Moment bei der Schuld herauszu- finden, daß sie vielmehr an einer falschen Bezeichnung der ge-
!) Frank, Giessener Festschrift, 540 ff hoffte, der Streit sei endlich beigelegt. So auch Ötker, GS. 72, 167f. S. aber seitdem v. Hippel, Strafrechtsverglei- chung, a. a.©. S. 487-528. Wenn v. Hippel meint, die von ihm bekämpfte Auffassung der Vorstellungstheorie sei jetzt verschwunden— S. 5ı8—, so dürfte er sich doch täuschen: die Ideen der Vorstellungstheorie sind immerhin schon durch viele Jahrzehnte vertreten worden und auch bei Psychologen nicht so ganz unbekannt. Sie sind nach meiner Ansicht zäher, als dass v. Hippel sie ver- nichtet hätte.—


