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Die Kemenate, d. i. das heitzbare Wohnzimmer der Frauen, 6, war der Raum, welchen wir nach französischer Sitte mit„Salon“ be- zeichnen, der gemüthliche Versammlungsraum der herrschaftlichen Familie bei Tage und besonders Abends und dürfen wir ihn recht behaglich mit Möbeln in Stile der Frührenaissance ausgestattet denken.
Das Zimmer K war wahrscheinlich das Frauen- und Kinderzimmer, neben welchem das Schlafzimmer I, in Verbindung mit dem kleinen Thurmgemach M lag.
Die dritte Etage hatte die ähnliche Eintheilung wie die zweite: den grossen Vorplatz, zu dessen Seite je zwei Zimmer, als Wohn- und Schlafräume der erwachsenen Söhne und Töchter. Die Räume für die Dienerschaft lagen im Dachgeschoss.
Im Allgemeinen war die hier beschriebene Einrichtung auch die übliche der Wohnungen der Grafen und Ritter im 15. Jahrhundert bis zur Mitte des 16. in Deutschland. Nicht ohne Einfluss mag hierauf die Einrichtung der französischen Herrensitze jener Zeit gewesen sein.
Tafel VII. Fig. 1 zeigt die Einrichtung des Zimmers I, welches in Form und Lage sanz ähnlich den entsprechenden französischen er- scheint, und die ähnliche Sitte des Hauses voraussetzt.
Wir erblicken darin zunächst dem Eingange rechts eine Truhe und einen grossen Schrank, bahut, links. Dann folgt an der Fenster- seite eine grosse Bank, die wieder als Truhe und zugleich als Sitz für die Besuchenden niedern Ranges diente. Den geschütztesten Platz nahm das grosse Himmelbett(Spannbett) ein; zwischen diesem und der Wand blieb ein Raum, die Straze genannt, französ. la ruelle, der Ehrenplatz der engern Familie und der vornehmen Gäste, wenn wie häufig die Dame des Hauses Morgens und Abends auf ihrem Bette sitzend Besuche annahm. Während des Tages aber versammelte man sich um das Camin, auf einem Canap&(banc A dossier) und auf Stühlen um einen Tisch. Ein Schenktisch(dressoir) fehlte dabei an der Wand fast nie.
Es war schon ein Luxus bei adeligen Familien, mehr als ein Wohn- und Schlafzimmer zu besitzen, aber dieses war alsdann auch gross und luftig.— In bürgerlichen Familien und nicht selten auch in vornehmen Häusern war es Sitte, dass die Herrschaft, wenn vor- nehmer Besuch sich einfand, ihr Wohnzimmer diesem überliess und sich auf dem grossen Vorplatze so gut es ging auch für die Nacht einrichtete, der dann zugleich als Empfangs-, Speise- und Schlafzimmer dienen musste.


