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Geschichte der großherzoglich hessischen Stadt Staufenberg und ihrer beiden Burgen : Festschrift sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge von Hessen und bei Rhein Ludewig IV zum 25. August 1883 gewidmet von Rektor und Senat der Landesuniversität / nach den Quellen bearbeitet von Josef Maria Hugo von Ritgen
Entstehung
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Die Ruine aber kaufte dann um 300 fl. ein Kaufmann Tasche aus Giessen. Dieser liess sich in dem Thurm an der östlichen Ecke ein Zimmerchen und darunter einen Weinkeller einrichten, liess die Um- gebung der Ruine zu einer Gartenanlage umgestalten und ritt nun fast täglich nach der Badenburg, die ihm ebenfall sgehörte, und von da nach Staufenberg auf einem hässlichen Pferde welches die Schuljugend spott- weise Bucephalus nannte. Nach Tasches Tode kaufte ein Schreiner- meister Stingel das Besitzthum und richtete dort eine Wirthschaft ein, nachdem er sich daselbst nahe der Einfahrt das kleine Häuschen links erbaut hatte. Diese Wirthschaft ging einige Jahre recht gut, dennoch bot der Schreiner das Ganze um 1100 fl. zum Kauf aus.

Als im Jahre 1858 die beiden Grossherzoglich Hessischen Prinzen Seine Königliche Hoheit der jetzige Grossherzog Ludwig, und dessen Bruder Prinz Heinrich in Giessen studirten, erwarben sie das ganze Besitzthum, und liessen durch den Bauaufseher Unger genaue Aufnahmen machen, auf deren Grundlage Kreisbaumeister Busch einen Plan zur Wiederherstellung der Unterburg entwarf der jedoch nicht Beifall fand, vielmehr erhielt im Sommer 1860 Professor Dr. Hugo v. Ritgen den Auftrag: neue Wiederherstellungs-Entwürfe für das Hauptgebäude und die Nebengebäude nebst den ganzen Umfassungsmauern und deren Be- festigung, treu der ursprünglichen Anlage anzufertigen, und, nachdem diese Pläne genehmigt worden waren, galt es zunächst, das Besitzthum abzuschliessen und zu sichern. Deshalb wurde die Wiederherstellung der Ringmauern und der Thore sogleich vorgenommen und war 1862 ziemlich vollendet, als sich S. K. Hoheit Prinz Ludwig am 1. Juli mit I. K. Hoheit der Prinzessin Alice, Maud Marie von Grossbritanien und Irland vermählten. Die in Folge dessen sich nöthig erweisende Erbauung des neuen Schlosses in Darmstadt, erforderte so bedeutende Mittel, dass die Wiederherstellung der Unterburg Staufenberg vorläufig unterbleiben musste.

Der Schreinermeister Stingel war inzwischen in dem kleinen Hause als Aufseher behalten worden; als derselbe 1865 starb, trat Heinrich Fink an seine Stelle.

1871 ward ein Theil des Mittelstocks der Unterburg zu einem orossen Saale eingerichtet und unter Beihülfe des Herrn Baron Adalbert von Rabenau mit einigen alten Waffenstücken geschmückt.

Fink starb 1881 und erhielt Heinrich Vogel, Maurermeister dessen