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Geschichte der großherzoglich hessischen Stadt Staufenberg und ihrer beiden Burgen : Festschrift sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge von Hessen und bei Rhein Ludewig IV zum 25. August 1883 gewidmet von Rektor und Senat der Landesuniversität / nach den Quellen bearbeitet von Josef Maria Hugo von Ritgen
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Inzwischen hatten sich die Verhältnisse auf Staufenberg wieder verändert: Laut Urkunde vom 19. Juli 1426*) hatte der Erzbischof Conrad von Mainz dem Grafen Johann II von Ziegenhain gestattet, den von ihm, dem Erzbischof, für 1000 fl. an Herrn Weise von Fauer- bach versetzten halben Theil an Staufenberg, Burg und Stadt, wieder an sich zu bringen, und dieser hatte ihn wieder eingelöst. Der andere Theil kam und blieb im Besitze von Mainz bis zum Jahr 1446.**)

Graf Johann II von Ziegenhain hatte jedoch schon vorher, am 22. Febr. 1440 dem von ihm wieder erlangten halben Theil an Staufen- bere Burg und Stadt um 500 fl. an Eberhard von Rolshausen versetzt. (Baur p. 29.)(Landau, hess. Ritterburgen III, p. 354, sagt irrthümlich für 950 fl. an Ebert von Rodenhausen.)

Ferner befindet sich im Darmstädter Archiv ein Schuldbrief des Grafen Johann II von Ziegenhain an Landgraf Ludwig von Hessen über 4115 fl. unter Versatz des halben Theils an Schloss und Stadt Staufen- berg mit dem Vorbehalte, dass der Graf so lange er lebtdas gen. halbe Theil veramten, mit Amtleuten bestellen und alle Gülten, Renten und Zinsen davon einnehmen solle.(Baur Anm. zu Nr. 33,) 16. Febr. 1447.

Diese Urkunde bestätigt das treue, freundschaftliche Verhältniss, weiches von ihrer Jugend an zwischen dem Landgrafen Ludwig I und dem Grafen Johann II v. Ziegenhain bestanden haben soll. Beide waren sehr fromm und hatten zusammen eine Reise nach Jerusalem zum hei- ligen Grabe gemacht. Der Graf Johann II mit dem Beinamen der Starke, war gleich seinem Bruder Otto, welcher 1418 Erzbischof von Trier wurde, dem geistlichen Stande bestimmt; er studirte 1394 zu Wien und wurde 1403 Domherr in Mainz, entsagte aber später diesem Stande und verheirathete sich im Jahre 1417 mit Elisabeth von Wald- eck, doch blieb ihre Ehe kinderlos und da alle seine 4 Brüder früh starben, so erlosch mit ihm das alte Haus des Grafen von Ziegenhain.

Landgraf Ludwig I(14131458) war erst elf Jahre alt, als sein Vater Hermann der Gelehrte starb; da er bis dahin sehr schwächlich gewesen war, so lernte er weder Lesen noch Schreiben, aber sein Herz und Verstand bildeten sich umsomehr aus, so dass man von ihm rühmte, dass er nie ein ungerechtes Urtheil gefällt habe. Weiter erzählt man:

*) Baur hess. Gesch. p. 29, Anmerkung. **) Die betreffende Urkunde(Nr. 157 bei Baur p. 151) siehe p. 39.