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Geschichte der großherzoglich hessischen Stadt Staufenberg und ihrer beiden Burgen : Festschrift sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge von Hessen und bei Rhein Ludewig IV zum 25. August 1883 gewidmet von Rektor und Senat der Landesuniversität / nach den Quellen bearbeitet von Josef Maria Hugo von Ritgen
Entstehung
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Be,

Der Erzbischof Werner von Mainz brachte es bei Kaiser Rudolf von Habsburg dahin, dass am 25. Jan. 1274 die Reichsacht über Land- sraf Heinrich von Hessen ausgesprochen wurde. Erst im Jahr 1977, nachdem Heinrich demselben im österreichischen Kriege wesentliche Dienste geleistet, wurde die Acht von Heinrich genommen; aber der Erzbischof blieb unversöhnlich und griff nun zu den weltlichen Waffen. Mit einem be- deutenden Heere, verstärkt durch Graf Wittekind von Battenbere und Gottfried V Graf von Ziegenhain, der über die Zurückbehaltung der ziesenhainischen Burg Staufenberg mit dem Landerafen in Streit war z0g der Erzbischof aus der Wetterau gegen Hessen heran.

Urkundlich findet sich über den damaligen Besitz von Staufenbere in Händen des Landgrafen nichts vor; wohl aber versprachen die ver- wittwete Gräfin Hedwig von Ziegenhain und ihr Sohn Gottfried V dem Erzbischof(laut Urk. vom 31. März 1278, bei Guden. I. p. 763) ihren Beistand gegen Ertheilung eines Burglehens auf Amöneburg.

Giessen lag im Wege, den der Erzbischof nahm, aber er wagte nicht die wohlbefestigte Stadt anzugreifen, sondern lagerte sich mit sei- nem Heer im Busecker Thal, dessen Ganerben zu den Ministerialen des Landgrafen gehörten. Die Umgegend musste die Drangsalen des Krieges schwer empfinden.

Wir wissen dieses nur aus dem Berichte des Johann Riedesel(in Gerstenbergers Chronik bei Schminke p. 428). Derselbe erzählt nun weiter:

Da ward dem Landgrafen gerathen, sich in Frieden und Sühne mit dem Erzbischof zu geben. Daher sandte er eine treffliche Botschaft und liess demselben dreitausend Mark bieten, damit er und sein Land aus dem Bann komme. Solches wollte der Erzbischof aber nicht, son- dern zog weiter in seine Stadt Fritzlar und that aus derselben dem Landgrafen grossen Schaden. Da gebot der Landgraf in seinem Lande, dass alle Männer, die einen Stock oder ein Schwert zu tragen vermö- gend, vor Fritzlar kommen sollten. Hierauf bot er dem Erzbischof den Kampf an. Dieser nahm den Kampf auf und zog aus der Stadt zu Felde. Als er aber das viele Volk sah, floh er wieder in die Stadt. Die Bürger fürchteten sich, dass die Stadt belagert, wohl. selbst verbrannt und zerstört werde. Sie schlugen daher die Thore zu und liessen nur den Erzbischof mit zwanzig Pferden hinein. Die Andern draussen muss- ten sich behelfen in den Gräben, den Zäunen und den kleinen Häuser-

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