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Die Eheschließung des deutschen Frühmittelalters im Lichte der neueren rechtsgeschichtlichen Forschung, Ergebnisse und Ausblicke / von Karl Frölich
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Damit werden Handhaben gewährt, nicht nur den Eheſchließungs⸗ akt als ſolchen, ſondern auch andere Einrichtungen, die heute mit der Eheſchließung in einer nur noch konventionell empfundenen Ver⸗ bindung ſtehen, wie die Sitte gewiſſer Hochzeitsgeſchenke ¹⁰⁸), das Hochzeitsmahl ¹⁰⁶), den Hochzeitstanz ¹⁰7) oder den Eintritt der Braut in das Haus des Bräutigams ¹⁰⁸) auf ihren rechtlichen Ge⸗ halt zurückzuführen. Und ich möchte vermuten, daß von hier aus auch noch andere nicht beſprochene Werbungs⸗ und Hochzeitsge⸗ bräuche, die der Deutung Schwierigkeiten bereiten, eine Aufhellung erfahren ¹⁰⁹).

Wir ſtehen am Ende unſerer Betrachtungen. Trotz mancher Zweifel, die bei ihnen nach der Natur der Sache noch verbleiben, dürften ſie gezeigt haben, daß die rechtsgeſchichtliche Forſchung der

¹1⁰⁵5) Der Kleidergaben bei der Hochzeit iſt ſchon oben S 154 Anm. 24 gedacht. Zu den vielfach üblichen Schuhgeſchenken(Samter S. 195 f.; Vyſoky, Arch. f. Religionswiſſenſch. 18, 1915, S. 593; 21, 1922, S. 240) vgl. Kauffmann, ZfdA. 42 S. 142 f.; Feilberg, Skoen som retssymbol (Der Schuh als Rechtsſymbol) in Studier tillegnade Esaias Tegnér den 13. Januari 1918, Lund o. J., S. 37 42(erwähnt bei H. Fehr, Das Recht im Bilde, Erlenbach⸗Zürich o. J., S. 186 Anm. 99, ſ. ferner daſ. S. 139).

106) Schröder, Deutſche Rechtsgeſch. 6 S. 75 Anm. 62.

1⁰7) Oben S. 155 Anm. 25, 158 Anm. 32, 170/1, 178 Anm. 61.

¹10) Zu der Umwandlung des Herdes bei der Einführung der jungen Frau in das Heim des Mannes(ſ. o. S. 150) ogl. Knuchel, Die Um⸗ wandlung in Kult, Magie und Rechtsbrauch, Schriften der Schweizeriſchen Geſ. für Volkskunde 15(Baſel 1919) S. 13 f.

¹106) Darauf, daß auch ſonſt die rechtsgeſchichtliche Forſchung manche An⸗ regung und Belehrung zu gewähren vermag, lenkt den Blick z. B. das bei Frensdorff II S. 11, 82; K. A. Eckhardt S. 190 erwähntein loſen Haaren gehen der germaniſchen Bräute. Es weiſt auf die Rechtsvorſtellungen, die ſich überhaupt mit der germaniſchen Haartracht verbinden. Vgl. hierzu Schreuer, Z2RG. 34(1913) S. 360 f.; Vordemfelde, Die germaniſche Religion in den deutſchen Volksrechten I., Religionsgeſchichtliche Verſuche und Vorarbeiten XVIII, 1(Gießen 1923) S. 112 f.(Beſprechung von L. Macken⸗ ſen, Zeitſchr. f. niederd. Volksk. III[1925] S. 55/6). Daß dabei zugleich Rückſich⸗ ten ſtändiſcher Art hineinſpielen, zeigt etwa die ſchon bei Grimm, RA I S. 398 mitgeteilte Nachricht, wonach im Freiding Bettmar die Töchter der Freiding⸗ leute, wenn ſie heiraten und zur Kirche gehen, das Haar auf den Rücken hän⸗ gen und frei fliegen laſſen durften, was ſonſt keiner Bauerntochter erlaubt war. S. Engelke, Die Grafſchaft Peine, Hannov. Geſchichtsbl. XXVII(1924) S. 1 f., insbeſ. S. 20; E. Mayer, 32RG. 46(1926) S. 292/3; v. Min⸗ nigerode, Königszins, Königsgericht, Königsgaſtung im altſächſiſchen Frei⸗ dingsrechte(Göttingen 1928) S. 6/7. über Zuſammenhänge zwiſchen Eheformen und ſtändiſcher Gliederung vgl. oben S. 179 Anm. 64, 184 Anm. 77 a. E.

Heſſ. Bl. f. Volkskunde Bd. XXVII. 13