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Die Eheſchließung des deutſchen Frühmittelalters
im Lichte der neueren rechtsgeſchichtlichen Forſchung,
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8, Srgebniſſe und Husblicke. (2 Von Karl Frölich. I. Einleitung ¹).
B a) Die Aufgabe.
„Die Gebräuche bei Verlobung und Trauung haben von jeher nicht nur die Volkskunde, ſondern auch andere Gebiete der Wiſſen⸗ ſchaft, vor allem die Rechts⸗, Religions⸗ und Kulturgeſchichte, inter⸗ eſſiert“, mit dieſen Worten beginnt Hanns Bächtold den erſten und bisher einzigen Band ſeiner vergleichend volkskund⸗ lichen Studie über denſelben Gegenſtand ²). Aber doch hat, wie ich glaube, die Volkskunde— und etwas Ähnliches gilt von der hier vielfache Berührungen mit der Volkskunde aufweiſenden Sprachwiſ⸗ ſenſchaft— aus dieſer Beobachtung nicht immer die Folgerungen gezogen, die ſich daraus für die Behandlung der auftauchenden Fra⸗ gen ergeben mußten. Kommt bei Verlobung und Eheſchließung ein Forſchungskomplex in Betracht, der für verſchiedene Wiſſenszweige von Belang iſt, ſo erſcheint es erforderlich, daß jede der beteiligten Diſziplinen ſich auch über die außerhalb ihres eigenen Tätigkeits⸗ feldes gewonnenen Einſichten unterrichtet, um ſie für ihre Zwecke auszuwerten und mit ihrer Hilfe Aufſchlüſſe zu erlangen, welche ſich einer vereinzelnden Erörterung notwendig verſagen. Das trifft namentlich zu für die Volkskunde und die germaniſche Philologie
¹) Der nachſtehende Aufſatz gibt mit einigen Ergänzungen den Inhalt eines Vortrages wieder, den ich im Juli 1928 in der Marburg⸗Gießener Germaniſtiſchen Geſellſchaft gehalten habe.— Abkürzungen: AfK.= Archiv für Kulturgeſchichte; HeſſBlV.= Heſſiſche Blätter für Volkskunde; PBB.= Beiträge zur Geſch. der deutſchen Sprache und Literatur, hrsgeg. von Paul und Braune; ZfdA.= Zeitſchr. für deutſches Altertum und deutſche Literatur; ZfdPh.= Zeitſchr. für deutſche Philologie; 3²(3¹, 8 ³) RG.= Zeitſchr. der Savigny⸗Stiftung für Rechtsgeſchichte, Germ.(Roman., Kanon.) Abteilung; ZVR.= Ieitſchr. für vergleichende Rechtswiſſenſchaft (einſchließlich der ethnologiſchen Rechts⸗ und der Geſellſchaftsforſchung); ZfrhwV. = Zeitſchr. des Vereins für rheiniſche und weſtfäliſche Volkskunde; ZVV.= Zeitſchr. des Vereins für Volkskunde.
2) Bächtold, Die Gebräuche bei Verlobung und Hochzeit mit be⸗ ſonderer Berückſichtigung der Schweiz. Schriften der Schweizeriſchen Geſ. für Volkskunde 11(Baſel u. Straßburg i. E., 1914).


