in ihrer Verknüpfung mit der rechtsgeſchichtlichen Arbeit, die ſich im Bereich der Vorgänge bei der Eheſchließung als beſonders eng darſtellt ²). Hier erwachſen Aufgaben, bei deren Löſung Volks⸗ kunde und Sprachwiſſenſchaft die Unterſtützung der Rechtsgeſchichte ſchlechthin nicht entbehren können.
Aus dieſer Erwägung heraus beabſichtige ich, nachſtehend in einer in erſter Linie auf die Intereſſen und Bedürfniſſe der Volks⸗ kunde, daneben aber auch der Sprachwiſſenſchaft, zugeſchnittenen Form und unter Beiſeitelaſſung des für den erſtrebten Zweck un⸗ weſentlichen juriſtiſchen Beiwerks zu berichten über die Ergebniſſe, welche in dem letzten Jahrzehnt die rechtsgeſchichtliche Forſchung über Verlöbnis und Eheſchließung gewonnen hat, und zu verſuchen, Wege zu ihrer Nutzbarmachung und weiteren Vertiefung nicht nur auf rechtsgeſchichtlichem Boden, ſondern zugleich im Rahmen der ge⸗ nannten Nachbarfächer anzudeuten. Es handelt ſich dabei der Haupt⸗ ſache nach um eine Betrachtung der Eheſchließung des deutſchen Früh⸗ mittelalters, bei der jedoch Ausblicke auf Erſcheinungen ur⸗ und gemeingermaniſcher Art, ſowie auf Erkenntniſſe, welche die ver⸗ gleichende Rechtsgeſchichte ſonſt gewährt, nicht ausgeſchloſſen ſind. Nicht berückſichtigt iſt die ſpätere Entwicklung, die zur Ausbildung der kirchlichen Eheſchließung in Deutſchland geführt hat und die ebenfalls für die volkskundliche Forſchung von erheblicher Wichtig⸗ keit iſt ⁴). ⁵) Vgl. über die Verflechtung zwiſchen Rechtsgeſchichte und Volkskunde im allgemeinen E. Frh. v. Künßberg in den Aufſätzen„Rechtsgeſchichte und Volkskunde“ in der Zeitſchr. f. Deutſchkunde 1922 S. 321—335 und im Jahrb. f. hiſtoriſche Volkskunde I(1925) S. 69— 125(angezeigt von H. Hep⸗ ding HeſſBlV. XXIII S. 153/4), ſowie Cl. Frh. v. Schwerin in ſeiner „Einführung in das Studium der germaniſchen Rechtsgeſchichte und ihrer Teilgebiete“(Freiburg i. B. 1922), S. 169, und in dem Vortrag„Volkskunde und Recht“, S. A. aus„Die Volkskunde und ihre Beziehungen zu Recht— Medizin-—Vorgeſchichte“(Berlin 1928), S. 16 und Anm. 54. Wegen der Sprach⸗ wiſſenſchaft iſt zu verweiſen auf K. v. Amira, Über Zweck und Mittel der germaniſchen Rechtsgeſchichte(München 1876), S. 20 f.; L. Wenger, Sprach⸗ forſchung und Rechtswiſſenſchaft, Wörter und Sachen I(1909), S. 84— 94 und v. Schwerin, Einführung S. 62 f., 150 f. Der Verbindung rechtsgeſchicht⸗ licher, volkskundlicher und ſprachwiſſenſchaftlicher Betrachtungsweiſe zugleich redet E. Goldmann, Der andelang(Breslau 1912) S. 1, 67 das Wort. Ertragreich in dieſer Hinſicht auch Goldmann, Beiträge zur Geſch. des fränkiſchen Rechts, I. Teil(Wien und Leipzig 1924). S. dazu Frölich, Heſſ. BlV. XXIV S. 179— 183.
¹) S. die Beſprechung des Bächtold'ſchen Buches durch U. Stutz, 32 RG. 35(1914) S. 638 /9.
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