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in dieſem Zuſammenhang ebenfalls für die rechtsgeſchichtliche For⸗ ſchung die neuerdings ſo lebhaft umſtrittene Frage nach dem Nibe⸗ lungendichter, nach der Zeit und der Umgebung, in die die Ent⸗ ſtehung des Liedes zu ſetzen iſt 9³), Bedeutung und es iſt nicht un— denkbar, daß durch die Ergebniſſe, zu denen die literaturgeſchichtliche Betrachtung führt, umgekehrt auch die rechtliche Bewertung des In⸗ halts der Dichtung beeinflußt wird. Und endlich wird es ſich die germaniſche Philologie angelegen ſein laſſen müſſen, die rechtsge⸗ ſchichtliche Forſchung durch ſonſtige Hinweiſe auf von ihr noch nicht berückſichtigte literariſche Quellen von rechtlichem Gehalt bei der Löſung ihrer Aufgaben zu unterſtützen ⁰⁴).
S. 516— 520), namentlich S. 6 f. mit einſchlägiger Literatur. Ausführungen über das Recht im Märchen im beſonderen bringen Wulffen, Das Kri⸗ minelle im deutſchen Volksmärchen, Arch. f. Kriminalanthropologie und Kri⸗ minaliſtik 38(1910) S. 340— 370; E. Frh. v. Künßberg, Rechtsbrauch und Kinderſpiel. Unterſuchungen zur deutſchen Rechtsgeſchichte und Volkskunde. S. B. der Heidelberger Akad. d. Wiſſenſch., Philoſ.⸗hiſt. Kl., Jahrg. 1920, 7. Abh.(Hei⸗ delberg 1920) S. 36f., 44f., Friedrichs, Das Recht in den Kinder⸗ und Haus⸗ märchen, Mitt. der Schleſ. Geſ. f. Volkskunde XXII(1920) S. 16— 43; Win⸗ ter, Die geſchichtliche Wirklichkeit im deutſchen Volksmärchen, Euphorion 25 (1924) S. 194— 225. Das Recht im Sprichwort behandelt von philologiſcher Seite Seiler, Deutſche Sprichwörterkunde, Handb. des Unterrichts an höheren Schulen IVs(München 1922) S. 243 f., 324 f.(ſ. hierzu jedoch auch O. Behaghel, Literaturbl. f. germ. u. roman. Philologie XLIV, 1923, Sp. 324— 328), von juriſtiſcher Seite Winkler, Deutſches Recht im Spiegel deutſcher Sprichwörter(Leipzig 1927). Sonſtiges rechtsgeſchichtliches Schrifttum bei Koehne in der Anzeige des Winkler'ſchen Buches, 32 RG. 48 S. 469/470, ſowie in der Miszelle„Handwerkerrecht in Rechtsſprichwörtern“, Vierteljahrsſchr. f. Sozial⸗ und Wirtſchaftsgeſch. XV S. 64—71.
33) F. Neumann, Das Nibelungenlied in der gegenwärtigen For⸗ ſchung, Deutſche Vierteljahrsſchr. f. Literaturwiſſenſch. und Geiſtesgeſch. 5 (1927) S. 130 f.; H. Naumann, Stand der Nibelungenforſchung, Zeitſchr. f. Deutſchkunde 1927 S. 1— 17; Behrend, Der Nibelungendichter entdeckt? Forſchungen und Fortſchritte 3(1927) S. 35 f.
4) Vgl. die Angaben bei H. Meyer S. 213 Anm. 2, 217 Anm. 1, 225, 226 Anm. 1. Soweit ich ſehe, findet ſich noch weiteres rechtsgeſchichtlich be⸗ deutſames Material für die altdeutſche Verlobung und Eheſchließung aus literariſchen Quellen z. B. in dem Sangaller Spottvers aus dem 9. Jahr⸗ hundert und in den Gedichten„Vom Rechte“ und„Die Hochzeit“ aus dem 12. Jahrhundert, ſowie dem dazu ergangenen Schrifttum. S. zu erſterem etwa Müllenhoff⸗Scherer, Denkmäler deutſcher Poeſie und Proſa, 3. Aufl., II(Berlin 1892) S. 155/6; E. v. Steinmeyer, Die kl. ahd. Sprachdenk⸗ mäler(Berlin 1916) S. 401; Ehrismann, Geſch. der deutſchen Literatur bis zum Ausgang des Mittelalters I(München 1918) S. 237 f.; zu den letz⸗ teren Löbner loben S. 156 Anm. 28); Waag, Kleinere deutſche Gedichte des


